Lichtenfels — Erneut wurden Zeugen bestellt und erneut kam der Fall vors Gericht. Erneut gab Richter Christoph Lehmann dem jungen Mann aus Nürnberg zu bedenken, dass sein Ansinnen auf einen Freispruch aussichtslos sein könnte. 1050 Euro soll er zahlen, weil er im November 2013 einen Stammgast einer Lichtenfelser Musikkneipe verletzte. Mit gutem Recht sogar, wie der Student darzulegen versuchte. "Ich fühle mich ungerecht behandelt", erläuterte der 22-Jährige. Dabei darf objektiv festgehalten werden, dass er und sein Freund an jenem 24. November durchaus gewichtiger Teil des Problems waren. Das gaben sie in der ersten Verhandlung auch zu, und auch in der gestrigen zweiten konnte das der Angeklagte nicht außen vor lassen. Damals kamen die beiden jungen Männer mit einem Lichtenfelser ins Gespräch, dem sie sagten, dass sie ihn für hässlich befinden und der ihrer Meinung nach "lächerlich aussieht". "Ich dachte, damit ist der Kontakt vorbei", so der Student. Also ging er nach draußen, um dort zu rauchen. Dort aber fädelten der Beleidigte und sein Begleiter miteinander ein. Es kam zu einem Wortgefecht und irgendwann warf der angetrunkene Beleidigte dem angetrunkenen Begleiter ein zersplitterndes Sektglas ins Gesicht. Das habe den Studenten veranlasst, dem Lichtenfelser Endzwanziger einen Schlag ins Gesicht zu versetzen. Seine Verteidigerin sprach von "Nothilfe seinem Freund gegenüber". Die Motivation der Nothilfe sahen weder Richter Lehmann noch Staatsanwalt Jäger gegeben. Zu viel Zeit sei zwischen der Provokation und dem Zuschlagen verstrichen. Somit also lag der Verdacht des Vorsatzes nahe. Noch einmal drang Lehmann in den Angeklagten: "Sie wollen das durchziehen [...], aber es ist schwer vorstellbar, dass ein Freispruch kommt." Den Vorzug einer Einspruchsrücknahme bei Zahlung der 1050 Euro machte Lehmann dem vor ihm Sitzenden auch klar: "Sie können sich weiterhin als nicht vorbestraft ansehen." Das Argument zog. MH