Anlässlich der 1973 und 1974 durchgeführten Inventarisierung der Martern im Landkreis Kronach fand der Verfasser etliche in Wolfersdorf - in einem bedenklichen Zustand. Nur zwei von insgesamt sechs Sandsteinmartern waren unbeschädigt. Die Suche nach weiteren Objekten ergab, dass zwei zerstört und in Fragmenten am Boden lagen. Ganz verschwunden war eine schöne Barockmarter am Ortsausgang nach Stockheim.
Im Winter 1965 hatte sie ein schleuderndes Auto total zerstört, was den Besitzer leider dazu veranlasste, die Überreste zu "entsorgen". Ihre Inschrift nannte Anlass und Stifter: "Zur Ehr Gottes hat Peter Gerber diese Marter setzen lassen anno 1744."
Als "Ersatz" für die historische Marter ließ man aus den Steinen eines Priestergrabes eine neuzeitliche Marter anfertigen. Man stellte sie rund 300 Meter außerhalb des Ortes an die Verbindungsstraße nach Neukenroth, wo sie sich heute noch befindet.
Vom Einsturz bedroht war eine der Martern. Sie stand ursprünglich im rückwärtigen Grundstück des Sägewerks Hofmann am alten Fußweg nach Stockheim, unweit des Haßlacher Wehres. Es handelte sich um eine der wohl künstlerisch wertvollsten Sandsteinmartern des Kreises Kronach.
Bei meinem Besuch 1972 stellte ich fest, dass sowohl der Aufsatz als auch das Kapitell und die Säule von starken Rissen durchzogen waren. Es bestand Einsturzgefahr. Mit geringen Mitteln wäre es zu diesem Zeitpunkt noch möglich gewesen, das Flurdenkmal wieder für lange Zeit zu erhalten. Leider gelang es nicht, die nötige Sicherung und Renovierung in die Wege zu leiten. Denn es standen einige Fragen offen, unter anderem die der Finanzierung. So ereignete sich leider, was zu befürchten war. Bei meinem zweiten Besuch 1974 war diese wunderschöne Bildhauerarbeit eingestürzt.
Jetzt war schnelles Handeln gefragt, denn alle Einzelteile waren zu sichern, um eine Renovierung mit den Originalteilen zu ermöglichen. Nachdem alle anstehenden Fragen mit dem Eigentümer Werner Hofmann und dem damaligen Bürgermeister Michael Lang geklärt waren, wurden die Fragmente in die Werkstatt von Bildhauer Heinrich Schreiber nach Kronach transportiert. Hier fand die fachgerechte und komplizierte Reparatur statt.
Nach der Fertigstellung übernahm das Straßenbauamt Kronach, vertreten durch den Straßenmeister Hans Eichner und Max Welscher, den Rücktransport nach Wolfersdorf. Bei der Aufstellung auf dem gleichen Grundstück - allerdings jetzt vor dem Haus des Besitzers - halfen sowohl die beiden Kreisheimatpfleger Willi Schreiber und Roland Graf als auch etliche Bedienstete der Gemeinde Stockheim mit.


Aufwendig gestaltet

Dass hier ein prächtiges Denkmal erhalten werden konnte, darüber waren sich alle Beteiligten einig. Auf einem relativ schlichten Sockel befindet sich ein unterteilter Säulenschaft, der reich mit Bandelwerk verziert ist. Überaus aufwendig gestaltet zeigt sich das Kapitell mit vier geflügelten Puttenköpfen an den Ecken und dem heiligen Nepomuk. In den Zwischenfeldern sind Barbara, Maria Immaculata, Anna und Maria lehrend zu sehen. Der wuchtige Aufsatz ist verziert mit Voluten und Akanthus. In den Bildnischen befinden sich als Reliefs die Glosberger Muttergottes, die Krönung Mariens, die Heilige Familie und der heilige Georg. Dass selbst die bekrönende Steinkugel mit einem Relief der Heiligen Familie verziert ist, lässt erkennen, dass der oder die Stifter vermögende Leute gewesen waren.
Erfreut und glücklich über die gelungene Renovierung der nahezu eine Tonne wiegenden Prachtmarter lud der Bürgermeister alle Mitarbeiter ins Gasthaus Lang ein.