Traditionell am Tag der unschuldigen Kinder am 28. Dezember ziehen junge Burschen in ihren Dörfern von Haus zu Haus, singen, tanzen und "pfeffern". Auch in Neufang - eines der wenigen Dörfer im Landkreis, der diesen Brauch aufrecht erhält - machten im vergangenen Jahr wieder einige seltsam aussehende Gestalten die Straßen unsicher: so ein Schifferklavier-Spieler, ein Schlotfeger, ein Scherenschleifer, ein Sackträger als auch ein Schnapsträger sowie ein Kürassier. Zudem gab es noch Jäger und Tänzer.
Gepfeffert werden in Neufang lediglich die Damen. Mit dem Ritual, das Glück bringen soll, wünscht man den Frauen in jedem Haus ein "gutes Neues". Nach einem Aberglauben geht beim sogenannten Pfeffern Kraft, Frische, Gesundheit und besonders die Fruchtbarkeit auf die Gepfefferte über. Das Pfeffern obliegt traditionell den Neufanger Burschen im Alter zwischen 18 und 21 Jahren. Nach getaner Arbeit bitten sie artig um ihren Pfefferlohn. Dieser wird für die Finanzierung des Pfeffertanzes verwendet, der im Januar dieses Jahres mit der Gruppe Ghostriders stattfand. Der Rest beziehungsweise die Einnahmen des Tanzes kommen wohltätigen Zwecken im Dorf zugute. Auch das hat Tradition.


"Spitzenergebnis"

Am Sonntag erfolgte nun die diesjährige Spendenübergabe - wieder ein "Spitzenergebnis" von jeweils 1000 Euro an die DJK/SV sowie den katholischen Kindergarten St. Laurentius Neufang als auch jeweils 500 Euro für die Freiwillige Feuerwehr, die Dorfgemeinschaft und die Katholische Landjungend Neufang. Entgegengenommen wurden die Spenden vom 2. DJK/SV Vorsitzenden Christoph Müller, vom Kiga-Förderverein-Vorsitzenden Rudi Gareis, vom 2. Dorfgemeinschaft-Vorsitzenden Thomas Föhrweiser, vom FFW-Vorsitzenden Thomas Winterstein sowie von Marie Hofmann, Vorstand der Landjungend. Sehr erfreut über die sehr willkommenen "Finanzspritzen", zeigten sich diese voll des Lobes über die jungen Erwachsenen. Diese hielten nicht nur den schönen Brauch aufrecht, sondern zeigten zugleich großes Engagement für ihren Heimatort.
"Der 35 Jahre alte Neufanger Kindergarten wurde generalsaniert, umgebaut und um acht Krippenplätze erweitert", so Gareis. Wie dieser ausführte, stelle das 1,2 Millionen-Euro-Projekt eine große finanzielle Herausforderung dar. Aber auch für die anderen Empfänger kommen die Spenden wie gerufen. Die Dorfgemeinschaft Neufang erweiterte den Feststoudl. Mit dem Anbau sind notwendige Lagerräume für das Hallenmobiliar und mehr Platz im Gastbereich geschaffen worden. In das Gebäude konnte ein wertvolles Kunstwerk des "Künstlers ohne Hände", Hubert Weber, aus dem Schulgebäude integriert und damit für die Nachwelt erhalten werden.


"Jeder Euro wird gebraucht"

Die DJK/SV Neufang konnte nach umfangreichen Renovierungsarbeiten die Einweihung des sanierten Sportheims feiern. Das Bauvorhaben war ein Kraftakt - finanziell wie auch arbeitsmäßig, so dass jeder Euro gebraucht werde. Die Feuerwehr wird - laut Winterstein - die Spende für die Jugendfeuerwehr einsetzen, zumal diese ja auch von jungen Leuten "erwirtschaftet" worden sei. Auch Marie Hofmann dankte namens der Katholischen Landjugend Neufang für die sehr willkommene Spende. Die Pfeffera unter derzeitigem Vorsitz von Maximilian Kolb und dessen Stellvertreter Jonas Kotschenreuther freuten sich sehr, die fünf Vereine, die so viel Gutes für den Ort auf die Beine stellen, unterstützen zu können. Leider werde das heidnische Fruchtbarkeitsritual, dessen Ursprünge sich bereits im 18. Jahrhundert finden, nur noch in wenigen Dörfern gepflegt. hs