Im August dieses Jahres ist in der Saale eine Granate aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden und schließlich entschärft worden. Wer mit Hammelburgs Geschichte etwas vertraut ist, dem wunderte der brisante Fund in der Saale nahe Untereschenbach nicht. Drei Hammelburger Zeitzeugen erzählen aus ihren Erinnerungen von 1945/1946.

Bombenkrater

Der Krieg war endlich zu Ende, und die Jugendlichen genossen die neue Freiheit im ersten Sommer darauf. Erst im Oktober wurde der Schulbetrieb wieder aufgenommen, wie Erich Heinickel, geboren 1938 in Hammelburg, erzählt. Heute blickt er von der Brücke an der Museumsinsel und erinnert sich an einen Bombenkrater, der sich nur 100 Meter von der Museumsinsel in der Saalewiese gebildet hatte.

Heinickel war als Bub sehr neugierig und schlich sich zu diesem Krater. Das Betreten des Grundstücks war natürlich verboten, da man noch mehr explosives Material dort vermutete. Der Krater, etwa zwei Meter tief und mit einem Durchmesser von etwa 15 Metern, war mit Grundwasser gefüllt. Heinickel konnte nicht schwimmen, aber er erkannte gleich, dass das Wasser dort viel wärmer war als die Saale und auch nicht so tief, und so wagte er sich hinein.

Doch plötzlich hörte er Pfiffe und Rufe. Da wurde ihm klar, dass die Flürer, "Flur-Hüter" ihn entdeckt hatten. Schnell wollte er den Krater verlassen, doch das war gar nicht so einfach. Der Rand war steil und matschig, so dass er immer wieder abrutschte. Aber als er seinen mit Blutegeln übersäten Körper sah, verlieh ihm das die Kräfte, die er brauchte, um dem warmen Teich und den "Flürern" zu entkommen.

Auch Ilse Fenn erinnert sich an die Wiese mit dem Krater. Diese gehörte ihren Großeltern, Erhard Schaupp aus Westheim und Mathilde Fritz aus Fuchsstadt. Ilse durfte nie auf die Wiese, wenn die Mutter das gemähte Gras wendete, bis es als Heu von den Großeltern in die Westheimer Landwirtschaft gebracht wurde. Ilse Fenn erinnert sich noch gerne an die Fahrt im Heu auf dem Kuh-Gespann.

Josef Kirchner weiß, wie der Krater 1945 entstand. Kurz vor Kriegsende versuchten die Amerikaner, das E-Werk auf der Insel zu zerstören. Dabei detonierte eine Bombe in der Wiese, dessen Krater Heinickel später als Badeteich nutzte. Die Flur-Polizei bewachte die Flur, um zu verhindern, dass hungrige Leute die Feldfrüchte stahlen. 1946 wurde die Wiese verfüllt.

Josef Kirchner erinnert sich auch daran, dass die Amerikaner nach Kriegsende alle Häuser auf Waffen durchsuchten. Viele Waffen entsorgten die Hammelburger im Rentamtsweiher.