Bereits zum 68. Mal trafen sich die aus ihrer Heimat vertriebenen Deutschhauser in ihrer Patenstadt Lichtenfels, um die Erinnerung an ihre sudetendeutsche Heimat wachzuhalten. Wie immer kamen die aus ganz Deutschland angereisten Heimatvertriebenen aus Deutschhause zunächst am fahnengeschmückten Gedenkstein im Bergschlosspark zusammen, um unter der feierlichen musikalischen Umrahmung durch die Banzberg Musikanten ihrer Verstorbenen zu gedenken.
Seit fast sieben Jahrzehnten würden sich die vertriebenen Landsleute aus Deutschhause alljährlich in ihrer Patenstadt treffen, betonte die Ortsbetreuerin der Deutschhauser, Gerda Ott aus Stuttgart. In dieser Zeit sei alles schon so vertraut geworden, dass man ohne Übertreibung sagen könne, dass Lichtenfels für die Deutschhauser zu einem zweiten Zuhause geworden sei. Im Gedenken an die im letzten Jahr verstorbenen Deutschhauser, die sie namentlich verlas, legte sie ein Blumengebinde am Gedenkstein nieder. Sie verwies auch auf den erst 2015 jeweils zum 20. Juni neu eingeführten Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung, an dem insbesondere der deutschen Vertriebenen gedacht werde.
Gerda Ott stellte eine Begebenheit besonders heraus, die die Wichtigkeit der Heimattreffen sehr anschaulich dokumentierte. So sei ein Ehepaar aus Deutschhause, das in diesen Tagen das 60. Ehejubiläum feiert, schon im Kindergartenalter unzertrennlich gewesen. Durch die Flucht hätten sich aber beide aus den Augen verloren. Erst bei einem der ersten Heimattreffen in Lichtenfels hätten sie wieder zusammengefunden, und da die Zuneigung immer noch so stark war wie im Kindesalter auch bald darauf geheiratet, so dass die Eheleute nun ihre diamantene Hochzeit feiern können.
Landrat Christian Meißner stellte heraus, dass mit Flucht und Vertreibung der Sudetendeutschen für diese gleichsam eine Lebenslinie geendet habe. Es sei bewundernswert, wie viele Lebenswege so gut gelangen und wie viele Lebensgeschichten neu geschrieben wurden. Dies konnte nur geschehen, weil sich die Heimatvertriebenen mit Mut und Tatkraft eine neue Existenz aufbauten.
Bürgermeister Andreas Hügerich freute sich, dass Lichtenfels weiter dazu beitrage, dass die Erinnerung der Deutschhauser an ihre alte Heimat hochgehalten wird. Er versprach auch, dass nach den Umbauarbeiten im Rathaus den Deutschhausern wieder eine Patenschaftsstube zur Verfügung gestellt werde, um ihre Erinnerungen zu bewahren. Alfred Thieret