Die Stille war bedrückend, nachdenklich, betroffen. Es war die Stille einer Gemeinschaft, die wieder einmal daran erinnert wurde, welches Leid der Nationalsozialismus in die Welt getragen hatte.

Aus Anlass des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht erinnerten Schüler des Frankenwaldgymnasiums in der Alten Synagoge an die unsäglichen Qualen von jüdischen Menschen während des Zweiten Weltkriegs.

Der Aktionskreis hatte für diese jährliche Gedenkveranstaltung junge Menschen eingeladen, die Passagen aus dem Tagebuch der Anne Frank lasen. Ziel war es, dadurch die Erinnerung an ein junges Mädchen wachzuhalten, das in seinen persönlichen Aufzeichnungen von den Schrecken des Dritten Reichs erzählt.

Hoffnung auf besseres Leben

Anne Frank, deren weise - und trotzdem oft noch kindliche Gedanken fast in die ganze Welt getragen wurden und die ihr Tagebuch "Kitty" nannte, wurde gerade mal 15 Jahre alt. Was sie bis zum Schluss nicht verloren hatte, war ihre Hoffnung auf ein besseres Leben nach dem Krieg. Die sollte sich nicht erfüllen, und so teilte sie ihr Schicksal mit so vielen anderen Juden, die Adolf Hitlers Schreckensherrschaft nicht überlebten. Und während die Schüler von Verfolgung, Deportation und Vergasung lasen, brannten im Hintergrund sechs Kerzen auf der Menora, dem siebenarmigen, jüdischen Leuchter. Sechs Kerzen deshalb, weil etwa sechs Millionen Juden ermordet wurden. "Es geschah damals Unfassbares", meinte Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (Freie Wähler), der sichtlich betroffen wirkte. Er sprach von vielen Friedhöfen, Häusern, Synagogen und Gebetsstätten, die der Reichspogromnacht zum Opfer fielen. "Man deportierte Männer, Frauen und Kinder, um sie zu vergasen."

Dann richtete er das Augenmerk der Zuhörer auf die Gegenwart: "Auch heute werden Menschen verfolgt, nur weil sie anders sind. Die Zahl rechtsextremer Straftaten nimmt zu, es bildet sich eine rechtsextreme Subkultur. An Tagen wie heute erinnern wir an ein großes Unrecht und übernehmen ein Stück weit Verantwortung. Diese Erinnerung soll aber vor allem Mahnung sein. Wir wollen klare Kante zeigen gegen rechtsradikales Gedankengut. Wir wollen Zeichen setzen!"

Die Vorsitzenden des Aktionskreises, Odette Eisenträger-Sarter und Gisela Zaich, merkten an, wie wichtig dieser Tag sei und dass er nicht in der Versenkung verschwinden dürfe.

"Jeder, der einmal täglich die Tagesschau sieht, weiß, wie substanziell unsere Arbeit ist."

Während Dekanin Dorothea Richter mit einem Gebet über Feigheit, Desinteresse und Angst um das eigene Wohlergehen auf das Thema einstimmte, vertraute Diakon Markus Grasser auf Gott als Zuflucht. Um die Feierstunde auch musikalisch zu untermalen, spielten die beiden Klarinettistinnen Johanna Hebentanz und Michelle Suffa. Gelesen hatten Theresa Müller, Anna Pfadenhauer, Klara Richter, Luisa Wagner und Jonas Baumann. Die Leitung hatte Matthias Simon.