Wer erinnert sich in Coburg noch an das Ernst-Alexandrinenbad, eines von drei Jugendstilbädern in Bayern? 1974 wies das Landesamt für Denkmalpflege die Stadt darauf hin, dass das Volksbad ein Einzel-Denkmal sei und so bedeutend, "dass alle Anstrengungen unternommen werden müssten, es zu erhalten". Es sei ein "sehr frühes Beispiel einer ausgesprochenen Sozialeinrichtung und für Coburg seinerzeit außerordentlichen Errungenschaft". Ohne echtes Engagement des Denkmalschutzes, ohne Rücksicht der Stadtverwaltung und ohne einen formellen Beschluss begann der Abriss dieses Bades am 4.11.1977. In Gotha steht ein fast baugleiches Volksbad, das nach der Wende hervorragend renoviert wurde.
Und nun berichtete die Tagespresse, dass das Nürnberger Jugendstilbad möglicherweise wieder restauriert werden soll oder auch nicht. 62 Prozent der Nürnberger Bürger wünschen jedoch die Revitalisierung.
Um diese Aktionen zu unterstützen, besuchte eine Gruppe der Gemeinschaft Stadtbild Coburg die Initiative zur Erhaltung des Volksbades. Sie übergab eine Spende von 500 Euro und erhielt eine fachkundige Führung durch das riesige Gebäude. Dieses Bad ist um ein Vielfaches größer als das frühere Bad in Coburg. Allein die Eingangshalle wölbt sich circa 20 Meter hoch; drei getrennte Becken dienten früher der Hygiene der Bürger, getrennt nach Männern und Frauen. Der größte Teil der früheren Jugendstilbemalung ist überstrichen und müsste rekonstruiert werden. Auch der Krieg hat dieses Gebäude nicht geschont. Von einer der Schwimmhallen wurde das gesamte Dach weggerissen. Es wird daran gedacht, ein Wellnessbad, ein Schwimmbad und ein Schulschwimmbad in diesen drei Hallen unterzubringen.
Auch wenn eine Rekonstruktion des Gebäudes und vor allen Dingen der Jugendstilbemalung sehr aufwendig ist, wäre es ein Verlust für Nürnberg und die Baukultur. Stadtbild Coburg knüpfte enge Kontakte mit der Nürnberger Initiative und beabsichtigt, gegebenenfalls zusammen mit dieser das Bad in Gotha noch in diesem Jahr zu besichtigen. Hans-Heinrich Eidt