"100 Meter vor uns, Drahtsperre" - "Kraftfahrer: gerade" - "50 Meter rechts davon feindliche Schützen, vermutlich in Gruppenstärke" - "Rechts einschlagen", spricht Sven mit klarer Stimme in sein Funkgerät. Mit der linken Hand wechselt er routiniert die Funkkanäle. Abwechselnd gibt er einen Gefechtsbefehl an seine Soldaten und führt zeitgleich den Kraftfahrer an sein Ziel.


Nicht aus der Ruhe bringen lassen

Sein Blick springt zwischen der Handkarte und dem Weg seines Gefechtsfahrzeuges. Wenn er gleich das Fahrzeug halten lässt, wissen alle sofort, was zu tun ist. Mit seinen 33 Jahren lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen. Er weiß, wie entscheidend es ist, dass vor dem Gefecht eindeutige Befehle gegeben werden. Jetzt kann er seine Männer zu Eile antreiben: Der Kampf um die Sperre beginnt.
Der Stabsunteroffizier Sven Zietmann ist der Älteste im Hörsaal. Üblicherweise leistet er seinen Dienst am Gefechtsübungszentrum des Heeres in Gardelegen in Sachsen-Anhalt. Im Rahmen seiner Ausbildung zum Feldwebel ist er seit April dieses Jahres als Lehrgangsteilnehmer des "Feldwebellehrgangs Militärfachlicher Teil B: Jägertruppe" (MFT B) zur zweiten Inspektion des Ausbildungszentrums Infanterie kommandiert. "Meine Erwartung an diesen Lehrgang ist, die bestmögliche Ausbildung zu genießen", sagt er bei der Einführungsveranstaltung.


Hohe Erwartungen

Hauptfeldwebel Maik Ludwig, der erfahrenste Ausbilder im Hörsaal, ist nur wenig älter als Sven. Er freut sich über hohe Erwartungen und ist begeistert, wie gut sich die Lehrgangsteilnehmer beim Führen des Transportpanzers Fuchs anstellen. "Die mehrwöchige Ausbildung zum Kommandanten des Fahrzeuges findet planmäßig erst nach der Ausbildung zum Feldwebel statt", bemerkt Ludwig, "dabei könnte man diese Lehrgänge auch wie geplant zur Voraussetzung machen. Oder langfristig gleich ganz in die Ausbildung integrieren." Seiner Meinung nach werden die Feldwebelanwärter so noch besser auf ihre späteren Aufgaben in der Jägertruppe vorbereitet. "Nicht zuletzt auch für den Einsatz." Als einer der ersten ausgebildeten Kommandanten für das gepanzerte Transportfahrzeug Boxer und mit Einsatzerfahrung aus Afghanistan weiß er, wovon er spricht.
Zum Lehrgangsende stellt Sven fest: "Insgesamt freue ich mich, dass meine hohen Erwartungen an die Ausbildung erfüllt wurden. Das Gefechtsübungszentrum und das Ausbildungszentrum Infanterie bilden nach den gleichen taktischen Grundsätzen aus." Weil er zunächst die Laufbahn der Mannschaften durchlief, ist er deutlich älter als seine Lehrgangskameraden. Er ist froh, sich doch noch für eine höhere Laufbahn entschieden zu haben: "Im Oktober werde ich zum Feldwebel befördert, ab dann darf ich verantwortungsvollere Aufgaben übernehmen." Der Vater von zwei Kindern erzählt mit einem Lächeln im Gesicht, dass er "bisher auf jedem Lehrgang von den Kameraden irgendwann Opa genannt wurde". Und weiter: "Es ist ein super Gefühl, wenn sich jüngere Kameraden an mir orientieren und meine Diensterfahrung von zwölf Jahren wertschätzen." Dabei kann die Arbeit auf Augenhöhe mit einem Altersunterschied von bis zu 13 Jahren spannend sein. Am Ende des Lehrganges spielte der Altersunterschied jedoch keine Rolle mehr, denn mit den gezeigten Leistungen schaffte es Sven an die Spitze seines Hörsaals. Auch der insgesamt Lehrgangsbeste aus einem anderen Hörsaal, Feldwebel Daniel Teßnow, ist älter als der Durchschnitt der Lehrgangsteilnehmer. Sie beide veranschaulichen eine alte Weisheit des Soldatenberufs: Nichts ersetzt Erfahrung. red