Er hat seinen Körper dem Fußball geopfert - "aber ich bereue keine Minute!" Sascha Licht, 46 Jahre alt - mit derzeit gut 100 Kilogramm wirkt er wie ein kleiner Bomber. Aber wenn der Stürmer von einst heute ein paar Schritte läuft, ist es schwer zu glauben, dass dieser Mann früher mit seiner "linken Klebe" für Angst und Schrecken in der 2. Fußball-Bundesliga sorgte. Über 20 Jahre Profifußball haben deutliche Spuren bei dem aus Neustadt bei Coburg stammenden Vollblutstürmer hinterlassen.

Ein Bundesligaspiel für den Club

Mit 15 Jahren zog er kurz vor der Wendezeit aus der Bayerischen Puppenstadt los, um die Fußballwelt zu erobern. Er spielte für den 1. FC Nürnberg, Dynamo Dresden, SC Weismain, Kickers Offenbach und für Waldhof Mannheim. Dabei brachte er es auf zwei Einsätze in der 1. Bundesliga. Im April 1993 trug er das Trikot des Club und ein gutes Jahr später, im August 1994, das von Dynamo Dresden. Fast 100 Zweitliga-Spiele folgten, die meisten für seine geliebten Waldhof-Buben.

Diese Zeit war schön. Aber vor allem auch schmerzhaft. 24 Operationen in fast zwei Jahrzehnten sind rekordverdächtig. Die Palette reicht vom gebrochenen Schienbein bis hin zu vier Knorpelfrakturen. "Meine Kreuzbänder sind nie gerissen. Wahrscheinlich dank meiner guten Oberschenkel-Muskulatur", sagt Licht und schmunzelt dabei.

Aber zum Lachen ist diese Leidensgeschichte ganz und gar nicht. Die begann nämlich schon mit 17 Jahren. Das damals vielleicht größte fränkische Fußballtalent brach sich im Jahr 1991 drei Monate vor der U17-Weltmeisterschaft in Italien das Bein. "Ich wäre bei der WM ganz sicher dabei gewesen", ärgert er sich immer noch, wenn er an die verpasste Chance denkt.

Gastspiel bei Dynamo Dresden

"Ich bin neun Monate ausgefallen, das hat mir beim 1. FC Nürnberg logischerweise das Genick gebrochen." Als Sascha Licht wieder einsatzbereit war, stand Trainer Willi Entenmann, der den Neustadter gefördert hatte, schon längst nicht mehr an der Seitenlinie. "Und der neue Coach hat einfach nicht auf mich gesetzt." Auch bei Dynamo Dresden scheiterte sein Versuch in der 1. Liga Fuß zu fassen.

Deshalb kehrte er zum SC Weismain zurück und wurde Leistungsträger in der Regionalliga, ehe er beim SV Waldhof Mannheim seinen zweiten Anlauf im Profi-Geschäft nahm und sein Glück fand.

Fabienne, Marvin, Emilia und Kira

Der vierfache Familienvater - aus der ersten Ehe stammen Fabienne (25) und Marvin (22), aus der zweiten Emilia (6) und Kira (3) - schwelgt gerne in Erinnerungen. Er erzählt von vielen Siegen, von einem Testspiel gegen den großen FC Barcelona und natürlich von legendären Auftritten im DFB-Pokal. Nachdem er mit seinen Waldhofern Bayer Leverkusen aus dem Wettbewerb geworfen hatte, kam es 2001 zum Duell mit dem FC Bayern München: "Wir sind echt total unglücklich im Viertelfinale gegen die Bayern ausgeschieden". 1:3 gegen Kahn, Jeremies & Co. Licht schwärmt heute noch von der Spielführerbinde mit den blau-weißen Rauten. "Schließlich war ich Kapitän und Publikumsliebling in Mannheim. Das war eine große Ehre für mich."

Harte Realität in der Gegenwart

Doch diese Zeiten sind längst vorbei, die Gegenwart hat wenig mit Ruhm und Ehre zu tun. Lichts Alltag ist seit Jahren geprägt von Rückschlägen - und ist vor allem schmerzhaft. Bis vor kurzem lief er ganz schlecht, humpelte geradezu. Er schleppte sich von A nach B. Die OPs 25 und 26 folgten, brachten vergangenes Jahr aber nicht den erhofften Erfolg. Deshalb blieb dem gelernten Industriemechaniker im Januar diesen Jahres gar keine andere Wahl: "Ins linke Bein musste ein neues Knie. Ein künstliches. Es ging einfach nicht mehr", sagt der Schlosser. Gesagt getan. Mit der 27. und vorerst letzten Operation, der Reha in Bad Staffelstein und dem Heilungsprozess ist er zufrieden.

Doch damit ist die Leidensgeschichte des ehemaligen Freistoß-Spezialisten längst nicht vorbei. Wenn er seine dreijährige Fortbildungsmaßnahme in Sachen Qualitätsmanagement in Regenstauf abgeschlossen hat, muss der ehemalige Vertreter für Tankstellen-Zubehör - "Ich habe nach meiner Karriere auch als Servicetechniker gearbeitet und Zapfsäulen repariert oder Benzinschläuche ausgewechselt" - erneut unters Messer. Dann wird sein rechtes Knie ausgewechselt...