Andreas Scheuerer Gerhard Hofmann sticht den Spaten in die Erde. Der Himmel ist grau über dem Waldstück bei Lonnerstadt, das sie hier Mühlholz nennen und das eigentlich gar nicht mehr da sein sollte. Schließlich sind die Kiefern alle tot, man sieht das an den hellbraunen Stämmen. Hofmann seufzt, er beugt sich nach unten und greift in die Erde, staubtrockener Lehm rieselt aus seinen Händen. "Sehen sie das? Dass hier überhaupt etwas wächst ist ein Wunder", sagt er.

Ein Wunder für das Wachstum verantwortlich zu machen, trifft es aber nicht. Denn hinter den neuen, hüfthohen Bäumchen, die aus dem Boden spitzen und zwischen denen der Förster gerade steht, steckt ein innovatives Aufforstungsprojekt, das der Lonnerstadter Waldbesitzer Daniel Fischer zusammen mit Hofmann ins Leben gerufen hat. Truppbepflanzung nennt sich die Kultivierungsmethode, bei der Bäume verschiedener Art kreisförmig, quadratisch oder in Form eines sternförmigen Nelderkreises angepflanzt werden. Um die Bewässerungskosten gering zu halten, werden die Bäume im Abstand von rund eineinhalb Meter eingesetzt. Der geringe Abstand soll zu einer höheren Holzqualität beitragen.

Während die waldschonende Aufforstungsmethode im südlichen Bayern schon länger zum Einsatz kommt, ist sie in mittelfränkischen Gefilden noch relativ neu, erklärt Fischer. Auf dem 1,5 Hektar großen Waldstück hat er rund 2200 Bepflanzungen in insgesamt 64 Trupps, also Einheiten, vorgenommen. Im Idealfall geht aus jedem Trupp ein Baum hervor. Angepflanzt hat der Forstbesitzer Eiche, Elsbeere, Kirsche, Linde, Hainbuche und Rotbuche. Bis auf die Roteiche, die aus Amerika stamme und die er als Experiment in die Bepflanzung mit aufgenommen hat, setzt der 38-Jährige auf einheimische Baumarten. "Wir achten darauf, keine invasiven Baumarten zu verwenden, die andere verdrängen könnten." Damit, so hofft Fischer, soll wieder ein intakter Wald entstehen.

Für das Absterben der Kiefernbäume, die zwischen den neuen Bäumchen emporragen, sind vor allem die heißen und trockenen Sommer verantwortlich, erklärt Gerhard Hofmann. Aber auch die milden Winter setzen dem Baumbestand zu. Dass der Wald Südhanglage hat, verschärfe das Problem zusätzlich. Hofmann beobachtet das Waldsterben aufgrund von Hitze und Trockenheit schon lange. Ungewöhnlich sei aber, dass so viele Sommer hintereinander so trocken sind. "Die vergangenen vier Sommer sind allesamt Trockensommer gewesen."

Die Idee zum Aufforstungsprojekt sei deshalb aus der Not heraus entstanden. Mit Fischer hat der Förster nun jemanden gefunden, der von Beginn an für die Aufforstung brannte. Viele Stunden Arbeit habe der Forstbesitzer inzwischen in das Projekt gesteckt. So seien bislang für das Ausmähen, Anpflanzen und Ausgrasen rund 250 Stunden Arbeit angefallen. Hinzukomme die Zauninstallation, für die weitere 70 Sunden anfielen und die den Baumbestand vor den Wildtieren schützen soll. "Es ist ein aufwendiges Hobby", sagt Daniel Fischer.

Ob sich die ganze Arbeit am Ende auszahlen werde, könne man seriös erst nach rund 20 Jahren beurteilen, erklärt Hofmann. Erst dann sei klar, ob es sich um einen funktionierenden Wald handelt. Um den Wald zu stärken, werde man zwischendurch aber immer wieder nachbessern müssen, abgestorbene Bäume wegnehmen und neue hinzugeben. "Es ist eine Daueraufgabe", sagt der Förster.

Die wenigsten Waldbesitzer würden sich das noch antun. Schließlich sei der Ertrag, den man erwarten kann, überschaubar, sagt Hofmann. Im Normalfall bringe ein funktionierendes Waldstück von einem Hektar pro Jahr bis zu 200 Euro auf dem Holzmarkt, was für viele Waldbesitzer und Landwirte schlichtweg nicht rentabel ist.

"Es geht nicht um Rendite, sondern um Kostendeckung", sagt Fischer. Daher gebe es inzwischen Förderprogramme vom Staat, mit denen man die Materialkosten decken könne. Über den Arbeitsaufwand spreche aber niemand. Und auch darüber, wie elementar der Wald für die Gesellschaft ist, sei bei vielen in Vergessenheit geraten.

Daniel Fischer interessiert sich für die Gesellschaft. Deshalb hat er sich entschlossen, das Projekt umzusetzen. Er denkt an künftige Generationen, daran, dass ein Wald schließlich eine "Mehrgenerationenaufgabe"sei. Genauso wie Hofmann hofft auch er, dass viele seinem Beispiel folgen werden. Denn nur so seien die Wälder auch noch in tausend Jahren intakt.