Zum Artikel "Hoher Inzidenzwert in Kulmbach macht drastische Beschränkungen nötig" vom Dienstag, 12. Januar, erreichte die Redaktion folgende Lesermeinung:

Der Kulmbacher Corona-Krisenstab greift zu den drastischsten Maßnahmen im Landkreis seit Beginn der Corona-Krise. Zur Begründung wird Oliver Hempfling, der Krisenstab-Leiter und Verantwortliche, in der Bayerischen Rundschau mit den folgenden Worten zitiert: "Das Virus braucht Menschen, und wir müssen verstehen, dass wir ihm diese Ware nicht liefern dürfen." Welch ein Satz! Ein Satz, auf den ersten Blick höchstwahrscheinlich dazu gedacht, in wenigen Worten den Ernst der Lage hervorzuheben. Spätestens auf den zweiten Blick wird jedoch klar: In ein und demselben Satz setzt Herr Hempfling Menschen mit "Ware" gleich, mit Gegenständen somit, die "wir" dem Virus nicht "liefern" dürf(t)en.

Diese Wortwahl hat mich zutiefst getroffen und erschüttert. Sie ist absolut entwürdigend, spricht Menschen gerade die Würde ab, die in dieser schweren Zeit so wichtig ist. Und leider bleibt der Satz nicht alleine stehen, er scheint kein Versehen gewesen zu sein.

In einem weiteren Satz, später im Artikel, wird Herr Hempfling so zitiert: "Wer in den letzten Tagen mal im Fichtelgebirge war, weiß, dass es da genügend Futter für das Virus gab."

Indirekt werden damit die Besucher des Fichtelgebirges, Familien, Kinder, unsere Mitmenschen, mit "Futter für das Virus" verglichen. Ein Vergleich, wenn auch ein indirekter, und eine Wortwahl, die mindestens ebenso entwürdigend wie im ersten zitierten Satz ist.

Ich kann den großen Druck und die große Verantwortung der letzten Tage und Wochen, die auf den Schultern des Krisenstabs und vor allem Herrn Hempflings lasten, nachvollziehen. Ich kann verstehen, dass es sehr schwierig ist, in einer solchen Situation immer angemessene Worte zu finden. Doch zu keinem Zeitpunkt kann und darf aus meiner Sicht das Gleichsetzen von Menschen mit "Ware", der Vergleich mit "Futter für das Virus", akzeptabel sein. Denn: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Andreas Wagner

Kulmbach