Auf das Grußwort von Kulturbürgermeister Christian Lange mussten die weit über 150 Vernissage-Gäste des aus dem georgischen Tiflis stammenden Malers Beka Gigauri am Freitagabend im Kunstraum Kesselhaus am Leinritt vergeblich warten.
Lange, dessen liebstes Ziehkind der Kunstraum ist, musste sich an diesem Freitagabend mit der Politik plagen und kann die Kunst Gigauris wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt genießen.
Für den BBK Oberfranken begrüßte dessen Vorsitzender Gerhard Schlötzer den Künstler und dessen Familie und eine ganze Heerschar von kunstinteressierten Gästen.
BBK-Schriftführer Jan Burmester suchte in einem anregenden Vortrag dem Publikum anzudeuten, wie Beka Gigauris zur Patina der Kesselhauswände kongeniale Malerei dem Gebäude selbst die Augen über seine karge, ja ungeschlachte Schönheit öffnet. Dem Publikum schenkt der Künstler entgrenzende Aussichten durch die bis zu sieben Meter hoch aufsteigenden Betonmauern hindurch.
Schönstes Zeugnis für Gigauri, der mit seiner Ausstellung "Periphere Sichtungen" sein Debüt beim BBK Oberfranken gibt, dürfte sein, dass Burmester und die Vernissage-Gäste einhellig der Meinung waren, Gigauris Kunst könne gegen den eindrucksvoll mächtigen Raum des ehemaligen Kesselhauses bestehen.
Raum, Bilder und Ausblicke wetteifern um die Gunst des Betrachters, Gigauris Kunst aber gewinnt sie. Und das, obwohl man vor den 42 bis zu vier Quadratmetern großen Ölmalereien auf Nesseltuch immer wieder einmal mit der Macht der Erinnerungen hadert.


Malerei auf Nesseltuch

Ist da nun mehr Jackson Pollock, Mark Rothko oder Sam Francis drin, in den imaginierten Weltlandschaften Gigauris, oder doch mehr Albrecht Altdorfer, Albrecht Dürer, Caspar David Friedrich und Gustave Courbet. Mit Sicherheit werden aber Assoziationen zu den Frottagen Max Ernsts aufgerufen und zu den Monotypien eines Per Kirkeby, Cy Twombly oder eben eines Paul Klee.
Der hat in seiner Schöpferischen Konfession von 1920 dann auch eine Maxime vorgegeben, die allen Künstlern, und also auch Beka Gigauri, noch immer gut gefallen dürfte: Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sie macht sichtbar, sagte Klee. Im Idealfall öffnet sie ja die Augen. Dem Maler, den Betrachtern und den Räumen, in denen sie präsentiert wird.
Beka Gigauris Malerei, die aus auf dem Nesseltuch verlaufener, verriebener und gerakelter dünnflüssiger Ölfarbe Landschaften und Meere entstehen lässt, die sich in einem paradiesischen Zustand der Unberührtheit zeigen, macht Unsichtbares, Unentdecktes und Verborgenes sichtbar. Gleich welche Vorbilder Gigauri auch haben und zitieren mag, bis ans Ende der Malerei-Welt ist er vorerst schon mal gekommen, und dahinter beginnt wieder eine Terra inkognita. Schöne Aussichten also für die Zukunft.