Mitten im Krieg findet Christian Straßburger (1908 - 1945) die Kraft für eine seiner schönsten Arbeiten: "Vom Himmel kam der Engel Schar", eine Umsetzung von Martin Luthers Weihnachtslied, das Johann Sebastian Bach bearbeitet hat.

Es zeigt die jubilierenden Engel, die den Hirten und der Menschheit die Geburt des Heilands verkünden. Vorausgegangen ist ihr Gruß: "Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen."

Der Kulmbacher Künstler kleidet die Weihnachtsbotschaft in bildsprachliche Poesie: In Jugendstil-Manier werden die schwebenden, betenden und musizierenden Engel mit den Schraffuren ihrer Flügel und den Strahlen des Christus-Symbols zu einem zauberhaften Ornament vereinigt. Bei dieser Komposition bestätigt sich, was man auch bei der Badhaus-Ausstellung in diesem Jahr feststellen konnte, dass der Neffe von Michel Weiß zu den bedeutenden Künstlern Kulmbachs zählt. Leider hat Straßburger bei seinen jubilierenden Engeln das Entstehungsjahr nicht vermerkt. Er erlebte den Zweiten Weltkrieg bei der Luftwaffe im Osten von Anfang an. Die Gräuel des Krieges, das Böse des Menschen, die Bereitschaft zu foltern und zu quälen, verarbeitet er in vielen seiner Holzschnitte und Radierungen mit biblischen Szenen. Doch auch immer wieder: Bilder der Hoffnung und Erlösung.

Wenige Tage vor Kriegsende wurde Straßburger mit seiner Maschine über Polen abgeschossen. W.S.