Wasserstoff ist das Kernthema der vierten Energiemesse Element-e am ersten April-Wochenende im Energiepark Hirschaid. Auf 5000 Quadratmetern tummeln sich am Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr über 80 Aussteller (alle Infos unter energiemesse.element-e.eu). Beim ersten Bayerischen Wasserstoff-Forum wird auch die Erlanger Firma Hydrogenious vertreten sein. Dominik Herzog (27), Mitarbeiter in der Geschäftsentwicklung des 2013 als Spin-off der Universität Erlangen-Nürnberg gegründeten Unternehmens, wird am 1. April um 14.20 Uhr einen Vortrag halten.

Herr Herzog, wenn Sie gefragt werden, für welche Firma Sie arbeiten, wie erklären Sie, was Hydrogenious entwickelt und anbietet?
Dominik Herzog: Hydrogenious Technologies entwickelt und vertreibt Systeme zur sicheren und effizienten Wasserstoffspeicherung. Wasserstoff ist ein in Industrieprozessen vielseitig verwendetes Gas, für welches heute schon ein immenser Bedarf besteht. Leider ist die Speicherung und der Transport von großen Mengen des Gases nicht ganz einfach und erfordert größere Infrastrukturinvestitionen. Wir haben daher eine Technologie entwickelt, die das Gas chemisch an ein Öl bindet. Somit ist es nicht erforderlich ein Gas zu lagern und zu transportieren, sondern eine Flüssigkeit, die sich ähnlich wie Diesel verhält: LOHC. Der große Vorteil besteht also darin, dass die bestehende Infrastruktur (Tanklaster und stationäre Tanks) für den Transport und die Lagerung von Wasserstoff verwendet werden können. Nur bei Bedarf wird aus der Flüssigkeit wieder reiner Wasserstoff gewonnen. Das Öl kann anschließend wieder im Kreis geführt werden, dient also als eine Art Pfandflasche. Einen signifikanten Beitrag zur Dekarbonisierung der Industrie wird in Zukunft aus Erneuerbaren Energien mittels Elektrolyse erzeugter Wasserstoff leisten. Unsere Technologie wird dafür sorgen, dass der Wasserstoff sicher und effizient zu Industrieunternehmen und an die Tankstelle geliefert wird. Dort wird er anschließend wieder freigesetzt und als Gas in Brennstoffzellenfahrzeugen zum Einsatz kommen. Somit arbeiten wir mit daran die künftige Mobilität CO2-frei zu gestalten.

Wie schaffen Sie es, zum Beispiel durch die Sonne gewonnene Solarenergie zu speichern, so dass sie nachts verbraucht werden kann?
Unser aktueller Entwicklungsfokus liegt im Bereich der Sektorkopplung, das heißt der Verbindung des Stromsektors mit der stofflichen Wasserstoffnutzung in Industrie und Mobilität. Technisch ist zwar auch eine Rückverstromung des Wasserstoffs mittels Brennstoffzelle problemlos möglich, da hier allerdings die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen noch sehr schwierig sind, ist dies aktuell kein Thema für uns.

Wasserstoff gilt als hoch explosiv - müssen erst Ängste bei den Menschen abgebaut werden, damit ihre neuen Technologie eine Chance erhält?
Wasserstoff wird in sehr großen Mengen bereits seit Jahrzehnten sicher im industriellen Umfeld eingesetzt. Auch Brennstoffzellen-Fahrzeuge, die bereits heute kommerziell verfügbar sind, erfüllen alle Sicherheitsanforderungen und sind keineswegs gefährlicher als Benziner oder andere Fahrzeuge. Natürlich bedürfen Innovationen und neue Technologien auch einer breiten Akzeptanz in der Gesellschaft um entsprechend Anwendung zu finden. Hier ist die Wasserstoffindustrie bereits sehr aktiv in der öffentlichen Kommunikation, wie auch die Veranstaltung in Hirschaid zeigt, aber sicherlich muss hier auch noch einiges passieren. Wir sind der festen Überzeugung, dass sich die Argumente für eine saubere und emissionsfreie Mobilität durchsetzen werden und Wasserstoff eine breite Akzeptanz in der Öffentlichkeit erfahren wird.

Was wird die Kernaussage Ihres Vortrags in Hirschaid sein?
Die Kernaussage des Vortrags wird sein, dass unsere Technologie das fehlende Bindeglied zwischen Erneuerbaren Energien und Wasserstoffanwendungen schließt und somit einen essenziellen Beitrag zur Sektorenkopplung im Rahmen der Energiewende liefert.

Die Fragen stellte
Michael Memmel