Die Marktgemeinde Tettau will auch in den nächsten Jahren bei der Umsetzung der Energiewende am Ball bleiben. Mit einer ganzen Reihe von konkreten Vorschlägen haben Fachleute der Energieagentur Nordbayern aus Kulmbach und Nürnberg für den Markt nun eine Planungsgrundlage erarbeitet, auf deren Basis die nächsten praktischen Schritte eingeleitet werden können. Der Energienutzungsplan wurde vom Bayerischen Wirtschaftsministerium mit 70 Prozent gefördert. Die ortsansässigen Unternehmen Gerresheimer und Heinz Glas übernahmen, wofür sich 1. Bürgermeister Peter Ebertsch ausdrücklich bedankte, weitere zehn Prozent, so dass der Eigenanteil für die Marktgemeinde Tettau erfreulich niedrig gehalten werden konnte.
Bereits bei der Vorstellung der Studie Ende April in der Tettauer Festhalle wies der Bürgermeister darauf hin, dass die Marktgemeinde bereits vor Jahren mit der Einführung eines Energiemanagements für ihre kommunalen Gebäude den Grundstein dafür gelegt habe, dass der Energieverbrauch gesenkt werden konnte. Mit dem Energienutzungsplan wurden nun nicht nur weitere Möglichkeiten zum Energiesparen oder zur Nutzung erneuerbarer Energien erarbeitet, sondern auch Anregungen zu einer Erhöhung der Versorgungssicherheit für die heimischen Industriebetriebe.
Am Beginn stand jedoch eine akribische Bestandsaufnahme der energetischen Grundlagendaten. Wolfgang Seitz von der Energieagentur Nordbayern konnte berichten, dass der jährliche Energieverbrauch (Strom und Heizenergie) in der Gemeinde insgesamt rund 400 Millionen Kilowattstunden beträgt, wovon mehr als 90 Prozent auf das Konto von Industrie und Gewerbe gehen. Der Anteil der Privathaushalte betrage lediglich sechs Prozent. Bei der erneuerbaren Stromerzeugung liefern in Tettau mehr als 20 Photovoltaik-Dachanlagen bereits etwa 135 000 Kilowattstunden Sonnenstrom, was jedoch nur 0,1 Prozent des Gesamtbedarfs entspreche. In einem sogenannten Wärmekataster wurde untersucht, wo im Gemeindegebiet wie viel Heizenergie benötigt wird. Der Energienutzungsplan sollte nämlich auch Aufschluss darüber geben, ob die vorhandene Abwärme der Industriebetriebe zur Beheizung umliegender Gebäude genutzt werden könnte. Prinzipiell, so Seitz, sei dies durchaus möglich. Allerdings sei der Wärmeabsatz in allen untersuchten Bereichen voraussichtlich so gering, dass ein wirtschaftlicher Betrieb nur schwer darstellbar sei.


Thema Versorgungssicherheit

Sein Kollege Alexander Bächer erläuterte im zweiten Teil des Vortrags die Einsparmöglichkeiten im Sektor Industrie und Gewerbe. So immens der Energieverbrauch bei den beiden an der Untersuchung beteiligten Flakonglas-Herstellern sein mag, so wenig mache es doch Sinn, in den eigentlichen Produktionsprozess einzugreifen, so Bächer. Beide Unternehmen haben von sich aus bereits zahlreiche Vorkehrungen getroffen, um den Energieaufwand für die Glasschmelze so niedrig wie möglich zu halten. So konzentrierte sich die Studie vor allem auf Effizienzpotenziale in anderen Bereichen, zum Beispiel die innerbetriebliche Nutzung der Abwärme.
Besonderes Augenmerk galt dem Thema Versorgungssicherheit, da bereits kleinste Unterbrechungen der Stromversorgung große Auswirkungen haben können. Die Marktgemeinde Tettau wird zwar von zwei Stromleitungen versorgt, diese verlaufen jedoch parallel direkt nebeneinander, so dass bei einem Sturmschaden die Gefahr besteht, dass beide unterbrochen sind. Eines der vorgeschlagenen Projekte aus dem Maßnahmenkatalog ist der Bau einer Photovoltaikanlage auf den Dächern des Klärwerks Sattelgrund. red