christiane reuther "Tor" schreit Emil und reißt die Arme begeistert hoch. Der Sechsjährige aus Knetzgau ist einer von 40 Teilnehmern. Im Doppelspiel mit Papa Jürgen versucht der Kickerfan, den Ball durch geschicktes Taktieren der kleinen Fußballmännchen ins gegnerische Tor zu jagen.

Das "Christkind" brachte Emil einen Kicker. Da konnte er zu Hause trainieren. Und jetzt beim Kickerturnier vor großer Kulisse zeigt Emil, was er kann. Schade ... dennoch verlor das Duo sein Spiel, ganz knapp! "Aber es hat Spaß gemacht", bestätigt der Papa, Emil strahlt. Die "Trostrunde" und die "Trostkuchen" für alle, die in den Runden ausgeschieden sind, sind gleich weg. Die Jugendlichen aus Westheim und Oberschwappach haben zusammen den Tisch gedeckt und einige Leckereien aufgebaut.

Das Kickerturnier für Hobbyspieler und Anfänger, veranstaltet von der Gemeinde Knetzgau, hat Kleine und Große in das Dietrich-Bonhoeffer-Haus im Gemeindeteil Westheim gezogen. Die Sportkategorien Einzel Jugendliche und Erwachsene und Doppel sind ganz wie im echten Leben. "Dabei sein ist alles", der Gemeinschaftsgeist beherrscht die Bühne, und am Ende gibt es einen Wanderpokal in jeder Kategorie, sogar Geldpreise für die ersten drei Sieger.

"Fadenzieher" für das Turnier am Sonntag ist Thomas Zettelmeier. Er ist seit September 2012 in der Gemeinde Knetzgau angestellt für die Bereiche Jugend, Familien und Senioren.

Nicht jede Gemeinde im Landkreis Haßberge leistet sich solches Fachpersonal. Die Stadt Zeil verfügt über eine Fachkraft in der Jugendarbeit, ebenso die Stadt Ebern. In Haßfurt gibt es mit dem "Dragon" ein richtiges Jugendzentrum.

In Knetzgau widmet sich Thomas Zettelmeier der Koordination des Bürgerdienstes "Bündnis für Familien und Senioren", das es seit acht Jahren gibt. Und das seit acht Jahren die Gemeinde bewegt und zusammenbringt. Zettelmeier kümmert sich auch um Ferienbetreuung und Jugendarbeit.

Wie sieht der 37-Jährige sein Betätigungsfeld? "Jugendarbeit ist ein schweres Pflaster", sagt der ausgebildete Erzieher. "Ich möchte, dass sich die Jugendlichen für die Gemeinschaft im Gemeindeleben einbringen, nicht nur konsumieren, sondern agieren." In der Arbeit mit dem Bündnis und der Jugendarbeit achtet Zettelmeier deshalb auf Synergieeffekte: "Die Jugendlichen lernen, sich ehrenamtlich einzubringen." Da ist keiner, der angibt: Vielmehr planten die Jugendlichen das Kickerturnier selbst. Zettelmeier fällt auf, dass es schwieriger wird, junge Leute zu begeistern. Auch auf dem flachen Land ist das so. Es gibt unter dem Strich viele Angebote: das eigene Handy, das Tablet und der Fernseher daheim, ja die ganze mediale Ausstattung im Elternhaus. Hinzu kommen Vereine oder sonstige Institutionen (Reitmöglichkeiten, Musikschulen). Damit sind die Jugendlichen "überversorgt".

Zettelmeiers Konzept konzentriert sich auf die Begleitung. Beispiel: die Jugendräume im Gemeindeteil Oberschwappach im Jugendtreff "Kühlhaus". "Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, sich selbstständig zu treffen", so der Erzieher. Die Jugendlichen müssen sich an klare Regeln der Hausordnung halten. Rauchverbot? Striktes Alkoholverbot? Ja, das schreckt den einen oder anderen ab. Wie kommt man also an die Jugend ran, um ihr Werte zu vermitteln, Gemeinschaftsgefühl? "Jugendarbeit ist nicht einfach", sagt Zettelmeier. Er sieht einen wichtigen Weg darin, doch immer ein besonderes Highlight zu bieten, um die Jugendlichen "hinter dem Ofen vorzulocken".

Eines weiß er aus Erfahrung auch: "Jugendliche mit 14 anzusprechen, ist viel zu spät." Sie müssen früher mit ins Boot genommen werden. So bemüht er sich, schon die Zehnjährigen in die Ferienbetreuung einzubinden, lädt sie ein, sich einmal im Vierteljahr zu treffen. Thomas Zettelmeier ist sich der begrenzten Ressourcen bewusst, und so will er laufende Jugendarbeit stärken, sieht sich nicht als Konkurrenz. Jugendarbeit in der Gemeinde auch in der Fläche am Laufen zu halten, das ist sein Ziel. In Knetzgau selbst läuft Jugendarbeit über die Kirche.

Was so ein ordentlicher Jugendarbeiter ist, der hat längst die nächsten Attraktionen auf dem Schirm: Für den geplanten Skater- und Biker-Park in Knetzgau plant er schon Aktionen. Auch da braucht er, wie jetzt beim Kickerturnier, Helfer. Immer auf der Basis Freiwilligkeit.

Ein engagierter Erzieher kann die Mannschaft mitnehmen, ist sich Zettelmeier sicher, damit steht und fällt für ihn die Jugendarbeit. Nicht nur er wertet das Kickerturnier daher als Glanzlicht. Es lief so, wie es laufen soll. Zettelmeier peilt Wiederholungen an - besser noch: Kickerturniere in allen Gemeindeteilen.

Da ist er sich der Rückendeckung durch Knetzgaus Bürgermeister Stefan Paulus sicher.