Gemäß bundeseinheitlichem Standard der Hospizarbeit bestand der Kurs aus drei Teilen: dem Grundkurs und dem Aufbaukurs sowie dazwischen einem Praktikum beispielsweise in einer Pflegeeinrichtung. Insgesamt umfasste die Ausbildungsmaßnahme, die den Menschen auf seinem letzten Weg in den Mittelpunkt stellt, gleichzeitig aber auch die Unterstützung für Angehörige im Blick hat, 120 Stunden.
Im Pfarrsaal in der Nikolaussiedlung freuten sich 2. Hospizvereins-Vorsitzende Anja Männl sowie Hospizkoordinatorin Annette Hümmer, die den Kurs geleitet hatte, den frischgebackenen Hospizbegleitern ihre Zertifikate überreichen zu können. Männl betonte: "Bis vor nicht allzu langer Zeit war das Thema Tod und Sterben sehr unpopulär. Es wurde richtiggehend ,totgeschwiegen‘." Alte, Kranke und Sterbende wurden in Krankenhäusern und Pflegeheimen untergebracht, so dass man sich mit ihrem Anblick und somit auch mit der eigenen Sterblichkeit nicht konfrontieren musste", bedauerte sie. In den letzten Jahren jedoch sei ein Wandel durch die Gesellschaft gegangen. Man habe erkannt, dass der Tod zum Leben gehöre, er uns alle betreffe und eine Auseinandersetzung mit ihm unsere Lebensqualität und Intensität erhöhen könne. Vor einiger Zeit habe sie selbst ihre Ausbildung zur Hospizbegleiterin gemacht. Interessant dabei sei, dass sie diese Auseinandersetzung in erster Linie zurück ins Leben gebracht habe. Sie habe gelernt, dass es ein Leben "vor" dem Tod gebe.
Was brauche es nun, um als Hospizbegleiter tätig zu sein? Auch hier sei die Antwort so unterschiedlich, wie die Menschen selbst.
Für sich selbst könne sie sagen, dass es Mut bedürfe, sich dieser Situation immer wieder neu zu stellen. "Man darf sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Man muss sich sogar für einige Zeit vergessen können. Nur so kann man den Blick wachhalten für das, was dem anderen wirklich hilft. Man muss sich von Konzepten und Kontrollvorstellungen verabschieden, da es kein Patentrezept gibt. Man muss empathisch sein und die Menschen so wie sie sind lieben", so Männl.
Auch Hümmer dankte allen für die Teilnahme am Ausbildungskurs. Ob die Teilnehmer sich nun entschlössen, aktiv ehrenamtlich als Hospizbegleiterin zu arbeiten oder nicht - Sie hoffe und wünsche, dass sie das eine oder andere hätten mitnehmen können. Dies bestätigten die frischgebackenen Hospizbegleiter, die von vielen positiven Erfahrungen berichteten. "Im Umgang mit Sterben und Tod erhält man einen neuen Blick auf das Leben", waren sie sich einig. Die Absolventen im Alter von 19 bis 68 Jahren hatten sich für den Kurs teilweise aus beruflichen Gründen entschieden, teilweise auch aus dem traurigen Grund, dass ein naher Verwandter oder Bekannter verstorben und damit das Thema "Tod und Sterben" für sie in greifbare Nähe gerückt war.
Aufgrund des steigenden Bedarfs wird es in absehbarer Zeit einen neuen Ausbildungskurs für Hospizbegleiter geben. Interessenten können sich bei Annette Hümmer melden. Leider ist die Anzahl der Hospizbegleiter im nördlichen Landkreis sehr gering. Da man auch das nördliche Gebiet gut versorgen möchte, wäre es deshalb besonders wünschenswert, wenn beim nächsten Kurs viele Teilnehmer aus dem "Norden" dabei wären. hs