Seit März letzten Jahres gibt es im BRK-Mehrgenerationenhaus in Michelau mit dem "Café Auszeit" ein Betreuungsangebot für Menschen mit Demenz.
Doch nicht jeder Betroffene fühlt sich in einer Gruppe wohl. "Wer sein Leben lang alleine war, hat vielleicht wenig Interesse an einer Gruppenbetreuung", erklärt Frank Gerstner, der Leiter des vom Roten Kreuz geführten Hauses.


Pflegende Angehörige entlasten

Aussagen von Angehörigen wie "meinen Vater/meine Mutter bringen keine zehn Pferde in die Gruppe", hörte Gerstner in der Vergangenheit schon oft. Auf der anderen Seite würden sich pflegende Angehörige gerne entlasten lassen. Deshalb bietet das MGH auch Einzelbetreuung zu Hause an. Dazu steht ein Kreis von 32 Frauen und Männern zur Verfügung, die als Betreuungshelfer pflegende Angehörige entlasten. Was Gerstner dabei am meisten freut, ist, dass er dieses Angebot beinahe flächendeckend im Landkreis Lichtenfels anbieten kann.
Wie kommen pflegende Angehörige im Bedarfsfall an einen Betreuungshelfer? In einem Erstgespräch werden der Bedarf der Hilfe abgeklärt. Dabei ist es Gerstner wichtig zu betonen, dass der Helferkreis keine Pflege- oder Haushaltskräfte ersetzt. Wie im "Café Auszeit" auch, unterhalten die Betreuungshelferinnen und -helfer die Senioren mit gemeinsamen Spielen, Singen, Basteln. Sie unternehmen bei Bedarf auch Spaziergänge oder lesen aus der Zeitung vor.
Gerstner vergleicht einen Betreuungshelfer mit einem guten Bekannten, der ins Haus kommt und sich mit den Bewohnern unterhält. Die so entlasteten Angehörigen können währenddessen Behördengänge, Arztbesuche, in Ruhe Einkäufe erledigen oder sich einem Hobby widmen.


Aus der Isolation herauskommen

Ein Angebot, das Bärbel Nemmert gerne in Anspruch nimmt. Bis vor wenigen Wochen konnte ihr Mann Bruno noch an den regelmäßigen Betreuungsnachmittagen des "Cafés Auszeit" teilnehmen. Dann verschlechterte sich sein körperlicher Gesundheitszustand. Mittlerweile kann der 79-Jährige die Wohnung im ersten Stock seines Hauses nicht mehr verlassen. Jetzt kommt bei Bedarf eine Betreuungshelferin ins Haus, damit sich Bärbel Nemmert eine Auszeit nehmen kann, um ihre Interessen zu pflegen und Kräfte zu tanken.
Das Betreuungshelfermodell hilft beiden, den Angehörigen und dem dementen Familienmitglied, aus einer gewissen Isolation herauszukommen, die zwangsläufig entsteht, wenn das Haus nicht mehr verlassen werden kann.
Nach dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz Teil II steht den Pflegenden eine Reihe von finanziellen Leistungen zu, über die Gerstner im Einzelfall informiert. Falls dies für die häusliche Betreuung nicht ausreicht, wäre auch eine private Zuzahlung möglich.
Dam Mehrgenerationenhaus stehen aktuell 32 Betreuungshelfer zur Verfügung, darunter dominieren die Frauen. Die Qualifikationen reichen von der angelernten Kraft bis zur ausgebildeten Krankenschwester. Manche von ihnen befinden sich schon im Ruhestand, andere stehen mitten im Berufsleben. Ihre Motivation: "Gutes tun und die eigenen Fähigkeiten für andere einsetzen."
Die Aufwandsentschädigung, die sie für die Betreuung erhalten, dürfte kaum ein Motiv sein. Vielmehr wollen sie sich ehrenamtlich engagieren. Manchmal, erzählt eine der Frauen, können sie einen demenziell Erkrankten durch ein Lied oder eine Geste für einen Moment aus der Isolation seiner Krankheit holen. "Das ist wichtig, dass diese Menschen noch einen Außenkontakt haben."
Weitere Informationen im BRK-Mehrgenerationenhaus Michelau unter Telefonnummer 09571/989151 oder per E-Mail: an mgh@kvlichtenfels.brk.de.