Roland Schönmüller Wilhelmsthal/Lahm —  "Was lange währt, wird endlich gut!" - So heißt ein Sprichwort. Es besagt: Mit Geduld und Ausdauer erreicht man sein Ziel. Oder: Das Ergebnis war die Mühe wert. Das antike Zitat wird verwendet, wenn nach langer Zeit ein vorzeigbares Ergebnis zu sehen ist. Dann hat sich der Aufwand gelohnt und das Resultat ist gut. Das ist auch zutreffend auf gegenwärtige Bauprojekte wie den neuen Berliner Flughafen. Aber hat auch Gültigkeit auf eine historische Sakral-Architektur in der Region. Beispiel: Lahm im Frankenwald.

1726 war die dortige Barock-Pfarrkirche nach vierjähriger Bauzeit vollendet worden. Doch vierundvierzig Jahre mussten Gläubige und Geistliche bis zur Weihe warten. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Am 30. September 1770 ist es schließlich soweit. Der Bamberger Weihbischof Joseph Heinrich vollzieht die Konsekrierung des stattlichen Gotteshauses.

Prachtvoll gestalten sich die Feierlichkeiten und in Reimform rezitieren "zwei Jünglinge mit akkommodierten Haaren in Chorröcklein" anlässlich der Kircheneinweihung ein achtstrophiges Gedicht, worin es heißt: "Frohlock, o frohes Lahm! / Frohlock in lauten Chören! / Gebeugt, den Gnaden-Nam / Josephi tu verehren / Durch den mir Gnade gedeiht, / da ich werd eingeweyht."

Pauken- und Trompetenschall

Nach umfangreichen Vorbereitungen kommt endlich der Tag der Weihe. Bereits in aller Frühe sind die Rothenkirchener Musikanten nach Lahm im Frankenwald aufgebrochen und stimmen mit Waldhörnern und Trompeten den Konsekrationstag an. Nach der Frühmesse beginnt bereits um sieben Uhr der Weiheakt durch den bischöflichen Vertreter, der bis halb zwölf Uhr dauert.

Dann wird unter großer Anteilnahme der Gläubigen und vieler Ehrengäste das Hochamt und später eine Nachmittagsandacht gefeiert. Zum Festmahl gibt es kulinarische Spezialitäten (siehe Infokasten).

Unter dem Zusammenläuten aller Glocken, beim Pauken- und Trompetenschall sowie durch "beständiges Büchsenfeuer" verabschiedet sich der hohe Gast aus Bamberg am nächsten Tag, am ersten Oktober 1770, von den frommen Frankenwäldlern.

Warum dauert es bis zur Weihe der neuen Kirche so lange? Das 18. Jahrhundert war nicht nur im Bamberger und benachbarten Würzburger Hochstift eine Zeit des Bau-Booms - vor allem im sakralen Bereich. Viele Gotteshäuser warteten auf ihre bischöfliche Segnung und Einweihung. Außerdem war der der Weg an den Obermain und in den Frankenwald beschwerlich, witterungsabhängig und zeitaufwändig.

So verging Jahr um Jahr, Jahrzehnt und Jahrzehnt. Der Herbst-Termin für die Weihe dürfte jedoch glücklich gewählt worden sein. Die Ernte war so gut wie abgeschlossen und eine verlockende Festtafel präsentierte Essen und Trinken in Hülle und Fülle, sicherlich passend zum Geschmack und den Gaumenfreuden der Ehrengäste.

Die Barockkirche in Lahm, "im italienischen Style" errichtet, hatte bereits einen Vorgängerbau aus dem Spätmittelalter. 1322/1326 werden Pfarrer und Pfarrei urkundlich genannt. Überliefert sind für 1589/90 Wiederherstellungsarbeiten an der alten, wohl kleineren Kirche. Noch heute ist um das Gotteshaus der Friedhof mit einer Sandstein-Mauer angelegt.

Die Pläne zum barocken Eingangsportal am Kirchplatz stammen aus keiner geringeren Feder als der des bekannten Balthasar-Neumann- Schülers Johann Michael Küchel. Zwei bischöfliche Wappen verweisen auf den einstigen Bamberger Besitz von Kirche und Dorf in Lahm. Weithin grüßt der dreigeschossige Turm aus unverputzten Sandsteinen-Quadern. Das Langhaus enthält eine kostbare Stuckdecke sowie ein kunstvoll gestaltetes Kreuzgrat-Gewölbe im Chor.

Der Kirchsprengel vom Lahm war früher sehr ausgedehnt und umfasste auch die Orte Steinberg und Posseck. Heute beschränkt sich der Einzugsbereich auf Hesselbach, Lahm, Geschwind, Grümpel und die Filialkirchengemeinde Effelter (mit eigenem Gotteshaus).

Vom hl. Otto geweiht?

Lahm soll eine der ältesten Pfarreien im Frankenwald gewesen sein. Eine Sage berichtet vom Aufenthalt des heiligen Bischof Otto I. von Bamberg in Lahm im Jahr 1128, wo er die erste hiesige Pfarrkirche geweiht und mit reichen Schenkungen an Land und Wald ausgestattet haben soll. Die Pfarrkirche von Lahm liegt wie alle anderen kirchlichen Gebäude und Anlagen am südwestlichen Ortsrand des hiesigen Rundangerdorfes.

Die im Unterschied zu benachbarten Pfarrdörfern auffällige Randlage des Lahmer Kirchenbaus weist zurück auf die Entstehung der Erstanlage des Dorfes. Schon damals im Mittelalter dürfte der kirchliche Besitz, das sogenannte Pfarr- und Gotteshauslehen , in die Konzeption der hier typischen Dorfstruktur einbezogen worden sein. Auch bei beiden landwirtschaftlichen Anwesen der Kirche sollte der hier übliche Hofanschluss gewahrt bleiben.

Nicht nur Kirche, Friedhof und Marien-Kapelle in Lahm laden zu einem Besuch ein. Auch zahlreiche Flurdenkmäler in der Umgebung sind Zeichen und Zeugen religiöser Volksfrömmigkeit, die von der Mentalität, vom Leben, Leiden und der christlichen Hoffnung der hiesigen Bevölkerung im Auf und Ab der Jahrhunderte erzählen.