Nicht nur inzwischen verstorbene Bürger haben es früher erzählt, sondern es ist auch den heutigen Betagten von Zultenberg in Erinnerung, dass in ihrer Kindheit in der Nachkriegszeit eine leidliche Wassernot des Öfteren zum Tagesgeschehen des Ortes gehörte: Ob es an Strom-, Förderproblemen, Wasserrohrbrüchen oder Störungen im drei Kilometer entfernten Quellbereich in Kasendorf gelegen hatte - die Bewohner von Zultenberg hatten immer schwer darunter zu leiden. So gestaltete sich auch die Versorgung des Viehs oft als schwierig, so dass man dabei auf die Hülen (meist künstlich angelegte Kleingewässer; die Red.) in der Flur zurückgreifen musste oder das kostbare Nass mit Gespannen mühsam vom Tal herankarrte, da im Ort die Zugmaschinen erst in den fünfziger Jahren kamen.

Somit war die einzige kleine Quelle am Fuße des Ortes unterhalb der ersten Felsengruppe mehr als willkommen. Hier konnte man wenigstens das Trinkwasser schöpfen. An dem kleinen Rinnsal anzustehen, um einen Eimer Wasser zu ergattern, oblag auch den Kindern.

Eine stille Verpflichtung

Was die Bürger des Jura-Ortes Zultenberg über Generationen täglich zu ertragen hatten, ist den heutigen Einwohnern des kleinen Bergdorfes aufgrund der Fördertechnik der modernen Wasserversorgung wohl nur schwer zu erklären. Es ist jedoch für den Ort seit Generationen bis in die heutige Zeit eine stille Verpflichtung, die Hülen und das "Bergbrünnlein" als die einstigen Lebensquellen für Mensch und Vieh der Nachwelt zu erhalten.

Bereits Ende der sechziger Jahre gelang es der damaligen Liftgemeinschaft im beschwerlichen Handeinsatz, die beiden kleinen Stauweiher wieder auszuheben und mit einer Bodenrandabdichtung zu festigen und damit zu erhalten.

Erinnerung an einstige Wassernot

Auch die Gemeinde Kasendorf war danach sehr bemüht, den Quellbereich von wildem Baum- und Sträucherbewuchs zu befreien, worüber sich vor allem die Berliner Nachkriegstouristen sehr freuten, die sich früher gerne in Kasendorf und Zultenberg niederließen. Schließlich war es auch die einzige Trinkwasserstelle am Görauer Anger, wo man von der Quelle aus die Natur genießen konnte.

Und die Flurbereinigung ging mit Unterstützung vom Landratsamt Kulmbach (Dr. Meißner) tüchtig mit zur Hand, um auch die Wasserstellen in der Flur zu erhalten.

So dürfte die renovierte Rudershül (auch Rosshül genannt) am Frankenwanderweg oberhalb von Lindenberg ein nachhaltiges Zeugnis aus der Vergangenheit sein, das die heutige Generation an die Wassernot ihrer Vorfahren erinnert.