Simone Bastian

"Der dickste Brocken ist vom Tisch" verkündete am Dienstag die Handwerkskammer (HWK) Oberfranken: Im Zuge der Vollversammlung am Montag wurde festgeschrieben, dass das Berufs- und Technologiezentrum (BTZ) der Handwerkskammer in Coburg erhalten bleibt. Im Beisein von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) wurde in Bayreuth der entsprechende Vertrag unterzeichnet. "Der Vertrag regelt detailliert, dass der Ausbildungsstandort in Coburg erhalten bleibt und welche Bildungsangebote und Maßnahmen auch künftig in Coburg abgehalten und angeboten werden - etwa Lehrgänge der Stufenausbildung im Bau, Fortbildungen und die Meisterschule im Gerüstbauhandwerk und Kurse und Prüfungen im Bereich Maler und Lackierer, Feinwerktechnik, Elektrotechnik und SHK (Sanitär, Heizung, Klima)", heißt es in der Mitteilung der HWK. Denn die Kammer hatte ursprünglich geplant, das Coburger BTZ mittelfristig zu schließen. Doch das wollten sich die Coburger Innungen nicht bieten lassen und pochten auf den Fusionsvertrag aus dem Jahr 2001. Damals hatte sich die Coburger Handwerkskammer der oberfränkischen angeschlossen. Dass es überhaupt noch eine Coburger HWK gab, war dem Umstand geschuldet, dass Coburg erst 1920 zu Bayern kam: Damals war geregelt worden, dass die Coburger Kammern erhalten bleiben. Die Coburger IHK ist nach wie vor eigenständig und kann in diesem Jahr 125. Jubiläum feiern.

Im Fusionsvertrag war festgeschrieben, dass es weiterhin eine Geschäftsstelle der HKW und das Ausbildungszentrum geben wird, sagt Knut von Berg, lange Jahre als Kreishandwerksmeister Coburger Vertreter im HWK-Vorstand. Auf diese vertragliche Regelung habe er die damaligen Kammerverantwortlichen bereits im Oktober 2016 hingewiesen, als erstmals darüber gesprochen wurde, das Coburger BTZ zu schließen und in Bamberg ein neues, größeres für das westliche Oberfranken zu bauen.

Dass in Bamberg neu gebaut werden muss, gilt auch unter den Coburger Handwerkern als unbestritten. Aber das sollte nicht zu Lasten ihres Standorts gehen. Der frühere Handwerkskammervorstand machte zwar alle möglichen Vorschläge, was ersatzweise in Coburg geschaffen werden könnte, doch die Meister vor Ort blieben hart. Im Sommer 2019 schließlich reichten sie Klage beim Verwaltungsgericht Bayreuth ein.

Freistaat gibt Geld dazu

Beide Seiten ließen sich aber auf ein vorgerichtliches Mediationsverfahren ein. Das kann nun für beendet erklärt werden. Knut von Berg empfindet angesichts der Entwicklung "Genugtuung", wie er sagt. Er hat namens der klagenden Handwerksbetriebe den neuen Vertrag am Montag unterzeichnet.

Dieser Vertrag hebe den Fusionsvertrag nicht auf, sondern ergänze ihn, sagt von Berg: Darin sei für die nächsten 25 Jahre festgeschrieben, was konkret in Coburg bleibt. "Der Fusionsvertrag wird nach wie vor nicht angefasst", stellt er klar. "Wir haben bekommen, was wir in Coburg erhalten wollten." Aufgesetzt hat den Vertrag übrigens ein Coburger: Hans-Karl Bauer, der Leiter des HWK-Verwaltungssitzes und vorher Geschäftsführer der HWK Coburg.

Ausdrücklich loben Knut von Berg und sein Nachfolger als Kreishandwerksmeister, Jens Beland, den Einsatz von Michael Klein. Der Polier einer Baufirma im Landkreis gehört dem HWK-Vorstand seit 2019 als Arbeitnehmervertreter an. "Er hat für die Dinge gekämpft, die auch die Arbeitgeber interessieren müssten", sagt von Berg, nämlich die Möglichkeit, Nachwuchs vor Ort auszubilden. In den BTZ findet die überbetriebliche Ausbildung statt.

Mittelfristig soll auch im Coburger BTZ investiert werden. Zuständig ist dafür der Bund. Auch der Freistaat Bayern habe Unterstützung für Coburg und Bamberg zugesagt, berichtet Knut von Berg. Laut HWK-Präsident Matthias Graßmann sollen die Planungen für die BTZ nun vorangetrieben werden. "Wir freuen uns, dass es in Coburg irgendwann auch losgeht", sagt Jens Beland.