Normalerweise findet am 3. Oktober auf der Berliner Brücke ein Festakt zum "Tag der Deutschen Einheit" statt: Kränze werden niedergelegt, um an die Toten zu erinnern, doch vor allem geht es darum, die deutsche Einheit zu feiern. Wegen der Corona-Pandemie wird es in diesem Jahr diese Feierstunde nicht geben, sagte Stadtrat Wolfram Brehm bei der Eröffnung einer Ausstellung zum Thema in der Akademie für Neue Medien.

Aus diesem Grund kommt der Ausstellung, die in den nächsten vier Wochen in der Akademie im Langheimer Amtshof präsentiert wird, besondere Bedeutung zu. Erst im November soll noch eine Feier zur Einheit nachgeholt werden.

Manfred Ströhlein, der ehemalige Bürgermeister der Partnerstadt Saalfeld, Bernd Franke und Harald Schardt, ein ehemaliger Grenzschützer, haben zeitgeschichtliche Dokumente über die Partnerschaft Deutschland-Saalfeld, über Mödlareuth und über die Wiedervereinigung zusammengetragen. Sie öffneten ihr privates Fotoarchiv, stöberten im Zeitungsarchiv der Heimatzeitung. Das Ergebnis: eine Ausstellung, die an 30 Jahre deutsche Einheit erinnert.

"Wir dürfen diesen Unrechtsstaat nicht vergessen", mahnte der Hausherr der Akademie für Neue Medien, Thomas Nagel. "Wir müssen auf die Wiedervereinigung immer wieder hinweisen. Dass sie funktioniert hat, ist eine Gnade der Geschichte. Wir hatten unsagbares Glück, dass wir ohne größere Auseinandersetzungen unser Land wiedervereinigen konnten", sagte Landrat Klaus Peter Söllner.

Der ehemalige Grenzschutzbeamte Harald Schardt referierte bei der Ausstellung über den geteilten Ort Mödlareuth.

Eine beeindruckende Rede zur Eröffnung der Ausstellung hielt Thomas Hacker, FDP-Bundestagsabgeordneter und Präsident der Thomas-Dehler-Stiftung. "Der 3. Oktober ist ein Tag, der so wichtig ist wie sonst keiner", so Hacker. Der 3. Oktober ist ein Datum innerhalb eines Öffnungsprozesses. "Dieser Tag war nicht der Schlusspunkt, aber auch nicht der Anfangspunkt. Er war ein Wendepunkt", machte Hacker klar. Die Tage vor dem 3. Oktober seien durch einen Öffnungsprozess gekennzeichnet, die Tage danach von einem Aufbruch. Und am 9. November sei dann die Mauer wirklich gefallen.

"Jetzt, 30 Jahre später sollten wir nicht mehr von alten und neuen Bundesländern sprechen. Wir sind ein Volk - bestehend aus 16 Bundesländern, die gemeinsam Deutschland begründen", wünschte sich Hacker. Der Prozess des Zusammenwachsens gehe weiter. "Europa ist noch nicht fertig. Wir müssen uns weiter den Herausforderungen stellen."