Nach der militärischen Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg und der Neuorientierung im Jahr 1919 begann sich vor 100 Jahren, im Jahr 1920, die Lage auch in Herzogenaurach allmählich zu normalisieren.

In der Aurachstadt war aus den Wahlen des Jahres 1919 der Gerichtsassistent Wilhelm Bausch von der Bayerischen Volkspartei mit knapper Mehrheit als Sieger hervorgegangen. Nach der Wahl am 15. Juni 1919 wurden zum Zweiten Bürgermeister Johann Herold und zum Dritten Bürgermeister Peter Herbig bestimmt. Dieses Trio leitete die Geschicke der Stadt Herzogenaurach in der sich bereits abzeichnenden wirtschaftlichen Krise.

Zwar ließ der Stadtrat die Werkgenossenschaft Höfler & Geißler, einen neuen Schuhfertigungsbetrieb, nahe des Bahnhofs, zu, in anderen Firmen waren aber bereits erste Entlassungen zu verzeichnen. Daher beschloss der Stadtrat am 9. Juli 1920 die Errichtung eines eigenen Arbeitsamtes unter Erlassung einer Satzung und einer Geschäftsordnung.

Lernmittelfreiheit eingeführt

Nachdem bereits 1919 die kirchliche Schulaufsicht abgeschafft worden war, erfolgte ab dem 1. Mai 1920 die Einführung der schulärztlichen Dienste und der Lernmittelfreiheit. Ebenfalls zum 1. Mai 1920 wurde die obligatorische Berufsfortbildungsschule (für Knaben) eingerichtet und die Lehrkräfte bestimmt. Im Fach Religion unterrichtete der katholische Stadtpfarrer Josef Müller die Knaben im Sammel- und im Bauhandwerkerkurs, der Kaplan die Schuhmacher. Dadurch versprach sich Pfarrer Müller eine bessere Möglichkeit, auf sie einzuwirken, als in der Christenlehre, die gemeinsam mit den Mädchen in der Kirche abgehalten wurde.

Um der Wohnungsnot in der Stadt entgegenzuwirken, wurde der erste Generalbaulinienplan angefertigt. So bildete man auf der Fläche des Langs-Ackers Bauparzellen, um sie dann als Eigentum an Bauwillige abgeben zu können.

Außerdem förderte die Stadt Herzogenaurach den genossenschaftlichen Wohnungsbau. Die Baupläne für die ersten Gebäude der neu gegründeten Baugenossenschaft "Eintracht" lieferte das Architektenbüro Heinrich & Berner in Nürnberg. Bereits am 2. Januar 1920 konnten sechs Wohnungen in der Eichelmühlgasse 6, 8 und 10 bezogen werden.

Fortschrittliche Wohnungen

Die abgeschlossenen Dreizimmerwohnungen mit Vorplatz waren für Arbeiterwohnungen ein Fortschritt und auch wegweisend für alle späteren Wohnungsbauten in Herzogenaurach. Auf Wunsch der Mitglieder wurde für jede Wohnung auch ein Stall für Kleintiere wie Schweine, Ziegen und Gänse erstellt. Zur Selbstversorgung hatte jeder Eigentümer außerdem ein Gartengrundstück. Trotz all dieser Maßnahmen war in den Jahren von 1920 bis 1929 die Wohnungszwangswirtschaft eine unerlässliche Einrichtung.

Die Vorausleistungen zum Straßenbau von Herzogenaurach nach Puschendorf wurden von den Gemeinden Dondörf-lein, Höfen und Zweifelsheim zum 18. Februar 1920 erfüllt, allerdings weigerte sich Puschendorf, seinen Beitrag zu leisten. Diese Straße war für Herzogenaurach wichtig, denn über den Bahnhof in Puschendorf konnte der Anschluss nach Fürth sichergestellt werden. Um die Mobilität zu steigern, wurde außerdem der Postkraftwagenverkehr besonders gefördert.

Die Heinrichsmühle, seit 1904 im Besitz des Liebfrauenhauses, um Wasser vom Brunnen beim Galgenhof zum Liebfrauenhaus zu pumpen, wurde im Jahr 1920 an die Wollwarenfabrik Wirth & Söhne verkauft, die dort eine Spinnerei installierte, die bis 1969 in Betrieb war.

Zur Verbesserung der Ernährungslage der Stadtbürger mit Gemüse und Kartoffeln wurde am 15. Oktober 1920 auf dem Tauschweg der Hirtenbuck-acker des Georg Neumüller zur Anlage der Kleingartenanlage II erworben.

Aus der Not heraus kam die Freibank, für die eine Freibankordnung erlassen wurde. Die Verantwortlichen in der Stadt wurden außerdem wegen Erhöhung der Schlachterspreise beim Bayerischen Städteverband vorstellig. Zusätzlich bildete man Brotgetreidereserven und die Brennholzversorgung der Bevölkerung wurde übernommen.

Am 14. Juni 1920 wurde per Stadtratsbeschluss die Stiftung "Kriegerdank Herzogenaurach" zur Unterstützung bedürftiger und würdiger Kriegsteilnehmer aus Herzogenaurach und deren Angehöriger errichtet. Allein aus der Stadt Herzogenaurach waren 128 Gefallene zu verzeichnen, aus der gesamten Kirchengemeinde Herzogenaurach waren es 178.

Inflation frisst Kapital auf

Das Stiftungskapital betrug 20 000 Mark, es setzte sich zusammen aus 4700 Mark Sammelergebnis, 3000 Mark aus Kriegsfürsorgemitteln, 5000 Mark, die von der Stadtverwaltung ohnehin für Kriegerehrung gedacht waren, und 7300 Mark Zustiftung der Stadtgemeinde. Die Verleihung von Zuwendungen sollte durch eine Kommission erfolgen. Diese setzte sich aus dem Bürgermeister (bzw. dessen Stellvertreter), drei Stadträten und vier Kriegsteilnehmern zusammen. "Die Unterstützungen werden alljährlich am 28. Juni, dem Tag des Friedensschlusses [von Versailles] gewährt", ist der Satzung zu entnehmen. Durch die Geldentwertung im Gefolge der Inflation ging die Stiftung aber ein, da sie kein Kapital mehr zur Verfügung hatte.

Durch die "Kassenzentralisation" wurde ein Rathausumbau nötig, der mit einer Renovierung einherging. Der Beschluss dazu erfolgte am 17. Februar 1920. Um für Fußgänger einen besseren Anschluss zu ermöglichen, wurde an der Straße zum Bahnhof eine Gehsteiganlage errichtet.

FCH startet Spielbetrieb

Ein allgemeiner Sport- und Spielplatz wurde am Weihersbach errichtet, der 1. Fußballclub Herzogenaurach konnte den Spielbetrieb an der Burgstaller Straße aufnehmen.

In der katholischen Stadtpfarrei hielten vom 20. Juni bis 3. Juli 1920 Kapuzinerpatres eine Mission ab, die gut besucht wurde. Zum Leidwesen von Stadtpfarrer Müller wurde allerdings Kaplan Johann Betz nach Altenkunstadt versetzt.