Um sich von der konzeptionellen Ausrichtung und . Frequentierung des Mehrgenerationenhauses (MGH) zu informieren, traf sich die SPD-Kreistagsfraktion im Café.
Sichtlich überrascht waren die SPDler über die intensive Nutzung des Hauses an diesem Spätnachmittag in Michelau: eine Babygymnastikgruppe, Mütter mit ihren jüngsten Sprösslingen, befand sich gerade im Aufbruch, eine zwölf Personen umfassende Demenzgruppe mit zwei ehrenamtlichen Betreuerinnen war rund um einen großen Tisch versammelt, je nach Temperament und Können fröhlich oder teils etwas verhaltend altbewährte Weisen singend. In einer Sofaecke, unmittelbar in der Nähe der Demenzgruppe, saßen drei jüngere Männer, wie sich später herausstellte, Flüchtlinge, die hier in Michelau wie auch weitere 30 Personen zurzeit wohnen und das Haus als Anlaufstelle nutzen, um Deutsch zu lernen, unsere Kultur und Lebensgewohnheiten kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen oder um die hier eingerichteten Computerarbeitsplätze für die Erstellung von Lebensläufen oder Bewerbungen zu nutzen.
Natürlich sei die kostenlose Nutzung von WLAN im Haus für die Flüchtlinge erst einmal ein großer Anreiz, zu kommen, um somit den Kontakt zu ihren Familien zumindest auf diese Weise aufrechtzuerhalten, sagte der Leiter der Einrichtung, Sozialpädagoge Frank Gerstner. Aber da auch viele andere junge Leute dieses Angebot gerne annähmen, entstünden dadurch häufig erste Kontakte zur heimischen Bevölkerung, zumal die Flüchtlinge anfänglich sehr auf Hilfestellung angewiesen seien, so Gerstner.


Computerkurse bringen Kontakt

Überhaupt seien die von ihm seit Jahren angebotenen Computerkurse im Haus und die Computerarbeitsplätze nicht selten auch Verknüpfungsebene zwischen älteren und jüngeren Besuchern, wusste Frank Gerstner zu berichten. So belegten nicht nur "ältere Semester" die Computerkurse und nähmen wie vor kurzem bei der Bildbearbeitung von Fotos gerne die Unterstützung jüngerer Besucher an.
Und während Frank Gerstner die SPD-Fraktion im Café mittels eines Kurzreferates zum Haus informierte, traf eine mehr als 20 Personen umfassende Seniorengruppe ein, die sich einmal wöchentlich im Saal zur Tanz- und Gymnastikstunde trifft.
Das MGH verzahne nicht nur die Generationen untereinander, sondern entwickle für die unterschiedlichen Bedürfnisse Dienstleistungen und Hilfsangebote für jegliches Alter und habe sich dadurch zu einer "sozialen Ideenwerkstatt" für den Landkreis Lichtenfels entwickelt. Auf die Frage von Kreisrätin Schuhmann auf die Auslastung des Hauses eingehend, händigte Frank Gerstner Daten eines Selbstmonitorings aus, die er auch dem Landratsamt zur Verfügung gestellt hatte. Die Daten, die aus einer Erhebung, die zwischen September und Oktober 2015 im MGH erfolgte, zeigen eine durchschnittliche Besucherzahl pro Tag von 135 Personen, eine stolze Bilanz, nicht zuletzt auch durch das "Cafe Auszeit", das sich immer größerer Beliebtheit erfreut. 81,33 Prozent der Besucher kamen aus dem Landkreis, 17,3 Prozent waren unter 20 Jahre alt, 29,1 Prozent zwischen 20 und 59 Jahre, 38,4 Prozent zwischen 60 und 70 Jahre und 15,2 Prozent über 80 Jahre.
Simon Ehnes aus Redwitz wollte wissen, warum im MGH es zwar viele interessante Angebote für Senioren gebe, doch keine komplette Tagespflegeeinrichtung bestehe. Frank Gerstner wusste zu berichten, dass er bereits 2010 ein Konzept dafür entwickelt habe. Er persönlich denke zurzeit mehr an eine Tagesbetreuung. mfa