christiane Reuther Einen Bogen von einem blutigen Schauplatz des Zweiten Weltkriegs zu einer Stätte des Friedens und der Verständigung spannt eine Ausstellung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die noch bis Sonntag, 3. Februar, im Rats- und Kultursaal der Gemeinde Knetzgau gezeigt wird. Die Ausstellung "Von Stalingrad nach Rossoschka" verbindet auf zahlreichen Schautafeln historische Ereignisse und persönliche Schicksale des Zweiten Weltkrieges mit der wertvollen Arbeit der Kriegsgräberfürsorge.

Menschenverachtend

Für den Knetzgauer Bürgermeister Stefan Paulus (CWG, SPD) ist Stalingrad der Inbegriff eines totalen und menschenverachtenden Krieges, dessen Brutalität von Deutschland ausging, wie er in seinen Grußworten bei der offiziellen Eröffnung der Ausstellung am Dienstagnachmittag sagte. Sein Dank galt neben Oliver Bauer, Bezirksgeschäftsführer des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, den beiden Historikern Gerhard Thein (Steinsfeld) und Hilmar Schenk (Knetzgau).

"Die Kriegsgräberstätte Rossoschka ist eine der größten Anlagen des Volksbundes und eine ständige Mahnung zu Frieden und Versöhnung", sagte Oliver Bauer, der die Ausstellung mit seinem fundierten Wissen erläuterte. Mit mehr als 60 000 Gefallenen ist Rossoschka die derzeit größte vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in der russischen Föderation betreute deutsche Kriegsgräberstätte. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Stalingrad, dem heutigen Wolgograd.

Bei der Schlacht von Stalingrad von Ende 1942 bis Anfang Februar 1943 fielen etwa 60 000 deutsche Soldaten. Nach der Kapitulation gerieten 110 000 in Kriegsgefangenschaft, von denen nur wenig mehr als 5000 überlebten. Sowohl unter den gefallenen als auch unter den in Gefangenschaft ums Leben gekommenen Soldaten gelten noch heute viele als vermisst.

Die Ausstellung, bestückt mit reichhaltigen Fotografien und Texten, zeigt, wie die Kriegsgräberstätte gebaut wurde und ab 1995 schließlich die Gebeine der deutschen Gefallenen eingebettet werden konnten. In direkter Nachbarschaft zu dem deutschen Gräberfeld befindet sich ein Areal für sowjetische Gefallene, das der Volksbund ebenfalls errichtet hat. Somit liegen die Opfer dieser grausamen Kesselschlacht gemeinsam bestattet.

Einen wesentlichen Teil der Ausstellung bilden Aufnahmen aus der Zeit von der Einweihung bis heute. Gezeigt wird, wie deutsche und russische Jugendliche in Workcamps des Volksbundes sich um die Pflege kümmern, sowie verschiedene Aktivitäten auf der Kriegsgräberstätte - einschließlich deutsch-russischer Kooperation.

"Die Schlacht von Stalingrad galt wegen ihrer Symbolträchtigkeit vielen als Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges. Viele Schicksale der dort gefallenen Soldaten werden sich nicht mehr klären lassen. Trotzdem wird beständig daran gearbeitet, Grablagen zu finden, die dort ruhenden Soldaten zu identifizieren und sie würdevoll umzubetten", sagte Oliver Bauer, der eingangs auf die Arbeit des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge einging. Sowohl für die Pflege und den Erhalt der Kriegsgräberstätten als auch für die Bildungs- und Versöhnungsarbeit setzt sich der Volksbund ein und tritt für die Verständigung und Aussöhnung mit den Gegnern von einst ein.