Herzogenaurach — Mit einem kritischen Vortrag von Tilman Spengler zum Thema "Wenn China nicht klappt" versuchen sich die Herzogenauracher Kulturtage am Mittwoch, 18. November, um 20 Uhr den Problemen der westlichen Welt mit dem fernöstlichen "Reich der Mitte" zu nähern. Der Vortrag findet im Sitzungssaal des Rathauses statt, teilt das Kulturamt der Stadt mit.
China war stets das Reich unserer Phantasien, unserer Modellvorstellungen, heißt es in der Pressemitteilung. Mal redete man in Europa mit Napoleon vom "schlafenden Drachen", mal mit dem Philosophen Leibniz von der "vorbildlich aufgeklärten Gesellschaft", die ein Vorbild sein müsse. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde erst der chinesische Sozialismus zum Modell erklärt, gegen Ende dieses Jahrhunderts war es dann die chinesische Variante des Kapitalismus.
Spengler geht in seinem Vortrag der Frage nach, warum diese Projektionen immer an der chinesischen Wirklichkeit scheitern. Warum bestehen Europäer auf Universalien wie den Rechten des Menschen und warum reklamiert die chinesische Staatsführung das Recht auf den "eigenen Traum"?


Neugierig und unerwünscht

Der Schriftsteller und Journalist Tilman Spengler ist promovierter Sinologe und hat lange in China gelebt. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter des Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker und publizierte neben seiner akademischen Tätigkeit unter anderem regelmäßig in der Zeit und in Geo. 1991 veröffentlichte er die Romanbiografie "Lenins Hirn", die in 21 Sprachen übersetzt wurde. 1992 wurde Spengler Feuilletonchef der Wochenzeitschrift Die Woche. 2003 erschien sein Erzählband "Wenn Männer sich verheben". Für das Fernsehen schrieb und moderierte Spengler die 101-teilige Sendereihe "Klassiker der Weltliteratur".
Als China-Kenner begleitete er 2001 den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und später Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei Staatsbesuchen. 2011 wurde Spengler wegen seines Einsatzes für Liu Xiaobo und andere Dissidenten die Einreise nach China als Begleitung von Außenminister Guido Westerwelle verwehrt. Zweimal wurde er in China zur "unerwünschten Person" erklärt. Das hat seiner Neugier keinen Abbruch getan.
Eintrittskarten sind in der Tourist-Information im Schlossgebäude, Marktplatz 11, in allen FT-Geschäftsstellen und Service-Points und online im Internet unter tickets.infranken.de erhältlich. Restkarten können an der Abendkasse ab 19 Uhr erworben werden.
Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 09132/901120. red