Mirjam Stumpf Nach ihren Perspektiven fragte Richter Wolfgang Pelzl die drei jungen Männer vor ihm auf der Anklagebank. Danach, wie es beruflich für sie weitergehen solle. Erst einmal Fuß fassen, war der Konsens.

Die drei Baiersdorfer, damals zwischen 18 und 19 Jahre alt, sollen im Februar mehrere Bänke und Wände in privater und öffentlicher Hand in Baiersdorf mit Graffitis besprüht haben. Ein hoher finanzieller Schaden entstand. Am Dienstag mussten sie sich wegen Sachbeschädigung vor dem Amtsgericht Erlangen verantworten. Versuche, die Vorwürfe abzuwiegeln, unternahm keiner der drei, mit gesenkten Köpfen räumten sie alles ein.

Die Angeklagten hatten sich im Februar am frühen Abend mit Freunden auf dem Rewe-Parkplatz in der Forchheimer Straße getroffen und mit diesen drei Flaschen Schnaps geleert. Berauscht kamen die drei anschließend auf die Idee, sich im Baumarkt fünf Spraydosen zu kaufen.

Zum Prozess kam es dann allerdings nur, da ein Polizist einen der drei an seiner gelb-schwarzen Jacke ausmachen konnte, die zudem auf einem Video des Baumarktes zu sehen war. Der Beamte bemerkte das auffällige Kleidungsstück, als er privat joggen war.

Lediglich bei der Klärung der Orthografie gaben sich die Heranwachsenden im Prozess unwissend. So wollte Richter Pelzl mehr über die Besprühungen wissen, die überwiegend aus Buchstabenkombinationen wie LHO, IRSWR oder KU bestanden. Keiner der drei konnte sich jedoch daran erinnern, was oder warum er gesprüht habe. Sie hätten zuvor bereits zu viel getrunken, so einer der Männer.

Einer hat bereits Vorstrafen

Da zwei der Angeklagten sich bisher nichts haben zu Schulden kommen lassen, beschlossen Richter Pelzl und Staatsanwältin Kristina Andres in Abstimmung, das Verfahren gegen beide vorläufig einzustellen - gegen 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Anders sah das allerdings bei dem dritten Angeklagten aus. Er hatte mehrere Einträge vorzuweisen, unter anderem wegen Diebstahl oder Hausfriedensbruch.

"Bei mir ist es meistens der Alkohol, der bringt mich auf dumme Ideen", gab er zu. Staatsanwältin Andres rechnete ihm Ehrlichkeit und Geständnis hoch an. "Er zeigt mehr Einsicht, als wir es bei den meisten Erwachsenen hier haben", so Andres. Die Reue war dem 19-Jährigen dann auch deutlich anzusehen, der vor der Urteilsverkündung den Tränen nahe schien und laut aufatmete, als Richter Pelzl verkündete, ein Arrest bliebe ihm noch einmal erspart. "Aus den Taten von damals habe ich nicht gelernt. Ich hatte keine Struktur und mir war alles egal. Jetzt habe ich eine Struktur. Das will ich nicht mehr verlieren", beteuerte der Angeklagte. Er muss nun 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, Suchtberatungstermine besuchen und ein Jahr lang abstinent bleiben. Außerdem muss er 400 Euro an die GGFA, die Gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung der Arbeit Erlangen, zahlen sowie die Verfahrenskosten tragen. Unmissverständlich klar machte der Richter dem 19-Jährigen allerdings, dass bei einem weiteren Verstoß Arrest drohe.