Weismain —  Eine feste Institution in Weismain ist schon seit Jahrzehnten die Stadtbücherei St. Martin. Diese wurde nun wiedereröffnet. Es zeigte sich, dass die Bücherei nichts von ihrer Anziehungskraft verloren hat. Der Name "Stadtbücherei St. Martin" allein zeigt schon, dass die zwei Träger des Ganzen die immerwährende Weiterführung sehr ernst nehmen. Zu einen die Stadt Weismain und zum anderen die Katholische Pfarrei St. Martin.

Eine Bücherei in Weismain hat eine lange Geschichte. 1955 wurde die Bücherei als katholische Öffentliche Bücherei durch den damaligen Dekan und Pfarrer Otto Hopfenmüller gegründet. Untergebracht war sie im Jugendzimmer des Pfarrhauses. Erste Büchereileiterin war Schwester Hermine Dietz. 1977 zog die Bücherei in den ehemaligen Handarbeitssaal im Schwesternhaus um.

Stadt und Kirche kooperieren

Ein Jahr später schlossen sich die Katholische Kirchenstiftung und die Stadt Weismain zusammen und unterzeichneten einen Kooperationsvertrag über den Betrieb der Bücherei. Die fachliche Betreuung und Beratung liegt bis heute in Händen des St. Michaelsbunds. Mit dem Umzug vom Schwesternhaus in den Kastenhof 1985 ging eine Namensänderung einher: Aus der "Katholischen Öffentlichen Bücherei" wurde die "Stadtbücherei St. Martin". Ihren endgültigen Platz erhielt die Bücherei um die Jahrtausendwende im oberen Stock des Kastenhofes. "Wir sind hier sehr gut frequentiert an den Tagen der Wiedereröffnung", freut sich Dagmar Dietz, die mit 15 weiteren Helfern im ehrenamtlichen Dienst die Bücherei betreibt.

Seit ihrer Gründung ist die Weismainer Stadtbücherei immer eine ehrenamtlich geführte Einrichtung gewesen, die allen Interessierten offensteht. Sie bietet eine breite und aktuelle Auswahl von Literatur für alle Altersstufen zur Ausleihe an. Nicht nur Smartphone und PC sind für Jugendliche interessant, denn auch in der heutigen digitalen Welt werde sehr viel gelesen. Aber das Angebot in der Weismainer Bücherei erstreckt sich noch weitreichender. So bilden Romane, Sachbücher, Bildbücher und -Bände, Bücher für Kinder und Jugendliche, Zeitschriften und Comics das Kerngeschäft der fast 400 Stammkunden zählenden Bücherei.

Auch DVDs, CDs, wechselnde Medienboxen mit unterschiedlichsten Themenbereichen sowie ein Bücherflohmarkt können ausgeliehen werden. Insgesamt bietet die Bücherei über 9100 Medien. Ein Bestreben der freiwilligen Betreiber ist es auch, so aktuell wie möglich zu sein. Im letzten Jahr wurden 507 neue Medien in den Bestand aufgenommen, während 826 Medien aus dem Angebot genommen wurden.

Zum größten Teil waren dies Bücher, die nicht mehr ansehnlich oder beschädigt waren. Zum anderen wurde ein größerer Posten alter Hörspielkassetten aus dem Bestand genommen. Auch einige Spiele, die mittlerweile in die Jahre gekommen waren, sind nicht mehr im Angebot.

"Ausgeschiedene Bücher bieten wir unseren Lesern zur Mitnahme gegen eine Spende an und alte Zeitschriften können unsere Leser kostenlos mitnehmen", erklärt Dagmar Dietz. 119 Medien erhielt die Stadtbücherei von Gewerbetreibenden und Privatpersonen geschenkt.

Gespendete Bücher werden in den Bestand aufgenommen, wenn sie thematisch passen, in gutem Zustand und noch nicht zu alt sind. Pro Öffnungstag werden durchschnittlich knapp 100 Medieneinheiten verliehen. "Es gab Tage, an denen über 350 Entleihungen getätigt wurden", erklärt Leiterin Andrea Göldner stolz. Dass dies möglich ist, dafür sind die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen verantwortlich.

Ausgezeichnete Bücherei

So wurde die St.-Martins-Bücherei vor zwei Jahren mit dem Zertifikat "Bücherei-Siegel" des St. Michaelbundes ausgezeichnet. Die Mindestanforderungen dafür nehmen unter anderem Bezug auf besucherfreundliche Öffnungszeiten, eine gute Beschilderung, einen ausgewählten Buch- und Medienbestand und einen angemessenen Büchereiraum.

Auch das Ausgabesystem funktioniert sehr gut. Natürlich handelt es sich auch bei den Mindestanforderungen um einen dynamischen Prozess, denn auch im Büchereiwesen gilt der Spruch "Das einzig Stetige ist der Wandel". Mit der Wiedereröffnung der Bücherei ist in Zeiten der Corona-Pandemie alles auf den Infektionsschutz abgestimmt und ein Konzept erarbeitet. Nur acht Personen dürfen gleichzeitig die Räume betreten. Wenn die dazu gehörenden acht Nummern vergeben sind, müssen weitere Besucher warten. Nach 30 Minuten sollte aber das richtige Buch gefunden sein und die Bücherei wieder verlassen werden.

Julius wurde schnell fündig

Bei Nicole Herold, die mit ihren Kindern Saskia und Julius die Bücherei besucht, sieht man, dass diese die Angebote öfters nutzen. Für eine Buchvorstellung für die Schule wurde Julius schnell fündig. Auch sonst lese er hin und wieder ein Buch und ziehe das elektronischen Medien vor, erklärt er.