Die Synagoge der jüdischen Gemeinde von Mönchengladbach einzurichten war für den Thurnauer Schreiner Klaus Bartels eine Herzensangelegenheit. "Es war immer Teil meines gesellschaftlichen Bewusstseins, sich niemals über andere zu stellen und ihnen zu schaden", erzählt der Schreiner. Selbst im Jahr 1947 geboren, hatte sein ganzes Werden mit der fassungslosen Auseinandersetzung mit dem Faschismus zu tun, "auch meine Tante war eine aktive Faschistin gewesen".

Klaus Bartels bezeichnet sich selbst zwar nicht als gläubigen Menschen, aber eine Synagoge einrichten zu dürfen, sei für ihn wie eine Art heilige Handlung gewesen. "Ich durfte mich an der Gestaltung eines guten Raumes beteiligen."

Bereits vor einigen Jahren hatte der Thurnauer eine Synagoge in Krefeld ausgestattet. Der damalige Architekt kannte ihn von Hoteleinrichtungen und wusste von Bartels' Konzept der Nachhaltigkeit beim Bauen. "Man sieht oft Kirchen mit Mobiliar, das Hunderte von Jahren alt ist. Meines soll mindestens genauso lange halten", lacht der Schreiner.

Kürzlich wurde die Mönchengladbacher Synagoge feierlich eingeweiht, und Klaus Bartels war mit vor Ort. "Es war umwerfend, die Reaktionen der Menschen mitzubekommen", schwärmt er - und man merkt, dass er selbst Tage später noch wie auf Wolken geht. "Die Eröffnung war wunderschön, auch der Generalsekretär der Muslime in Deutschland war gekommen und hat für ein Miteinander geworben." Einige Besucher hätten in der Synagoge während des Gottesdienstes sogar die Bank aus geöltem Ahornholz gestreichelt. "Das ist ja so bequem", habe er öfters gehört. Für die Gestaltung der Bänke mit 100 Sitzplätzen habe sich Schreiner Bartels viele Gedanken gemacht. "Jede Bank hat ja ein Fach für das Gebetstuch und ein Buch, mit einer Klappe zum Verschließen." Diese Klappe hat er gleichzeitig als Buchablage konzipiert und wie die Klappsitze so gestaltet, dass sie bei der Handhabung nicht den Gottesdienst stören.

"Der Thora-Schrein mit vorgebautem Vorhang war auch eine kleine Herausforderung", erzählt Klaus Bartels. Drei Tage lang habe er darüber gebrütet, und auch für den Bau des Bima-Tisches für die Thorarollenlesung sei einiges an Überlegungen notwendig gewesen. "Der Tisch hat etwa eine Größe von 170 mal 120 Zentimetern und ist leicht geneigt", erklärt er. Dazu komme, dass die Tischplatte drehbar gelagert sein musste, denn es werde ein Mal Richtung Osten und ein Mal Richtung Westen gelesen. "Ein schöner, offener heller Raum, in dem man mit Zuversicht erfüllt wird", befand etwa Michail Korolinskij, der Zweite Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Mönchengladbach.

Neues Projekt in Franken

Klaus Bartels wirbt mit seiner Arbeit auch für Verständnis, für ein Miteinander, für Gemeinschaft. "Es macht mich wütend, wenn Leute vor eine Synagoge ziehen und ,Juden!' schreien, wenn es zwischen Israel und Palästina wieder einmal zu Kampfhandlungen kommt."

Es freut ihn, dass er auch in Franken mit einem neuen Projekt betraut wurde, mit dem er zu einem besseren Miteinander beitragen kann. "Zur Kirche St. Sebald in Nürnberg, in der auch Dürer getauft wurde, gehört ein uraltes Gemeindehaus", erzählt Bartels. In diesem soll ein interreligiöses Café entstehen. "Das macht mich so glücklich. Es ist einfach wunderbar, wenn man mit seiner eigenen Arbeit genau das unterstützen kann, was einem selbst am Herzen liegt."