Bamberg — Schülerlotsen, Jogger und Fahrradfahrer machen es bereits vor: Reflektierende Leuchtstreifen an der Kleidung finden immer größere Verbreitung - und das ist gut so.
Nach wie vor gibt es eine hohe Zahl an Unfällen, weil Fußgänger oder andere Verkehrsteilnehmer in der Dämmerung oder Dunkelheit nicht gut zu erkennen sind. Abhilfe schaffen Leuchtstreifen, wie sie beispielsweise auf Warnwesten zu finden sind. Diese reflektieren das Licht von Straßenlaternen und Fahrzeugscheinwerfern und verhindern damit, von Kraftfahrern übersehen zu werden.


Mützen, die glücklich machen

Besonders für Kinder sind Leuchtstreifen auf Anoraks und Mänteln sinnvoll. Sie garantieren in den dämmrigen Morgenstunden im Winter einen sicheren Schulweg. Aus diesem Grund gibt es schon seit Jahren die altbekannten gelben Neonmützen, die aber mittlerweile an Beliebtheit verloren haben und ein wenig als altmodisch gelten.
Mit diesem Umstand beschäftigte sich das Projekt-Seminar "Glück" des Clavius-Gymnasiums. Mehrere Kleingruppen befassten sich unter verschiedenen Aspekten mit der anspruchsvollen Aufgabe, Menschen glücklich zu machen. Das geht offenbar auch mit kleinen Dingen: Eine der Gruppen befasste sich mit Kopfbedeckungen.
"Zuerst wollten wir nur Mützen produzieren, die auf irgendeine Art und Weise glücklich machen sollen", berichtet Sandra Fischer, eine Schülerin des P-Seminars. "In erster Linie dachten wir da an außergewöhnliche Mützen für Erstklässler."


Der Glückspilz als Design

Dass Kinder im Straßenverkehr oft ungesichert unterwegs sind, hat die Schüler letztendlich auf die Idee gebracht, sich der reflektierenden Mützen anzunehmen.
An das Thema "Glück" angelehnt, wurde die Kopfbedeckung nach dem Vorbild eines Glückspilzes entworfen. Das Design sollte den Kindern nicht nur gefallen, sondern auch leicht herzustellen sein. Und eine weitere Vorgabe war zu erfüllen: "Sehr wichtig ist für uns auch, dass die Mützen geschlechtsneutral sind", so Sandra Fischer.
Bei der Realisierung stieß die Gruppe unter der Leitung von Lehrerin Pia Kestel jedoch auf Schwierigkeiten. Trotz vieler Briefe an potenzielle Sponsoren, in denen Vorstellungen und Ziele genau beschrieben wurden, erwies es sich als schwierig, Unterstützer an Land zu ziehen - "obwohl sich alle Angesprochenen von der Idee angetan zeigten", wie die Lehrerin betont. Letztendlich entschieden sich der Bürgerverein Bamberg Mitte, der Lions Club und der Rotary Club dafür, das Projekt aufgrund seines sozialen Charakters zu fördern. Außerdem unterstützte auch Staatsministerin Melanie Huml das Projekt.


Schwierigkeiten in der Produktion

Nachdem die finanziellen Mittel gesichert waren, wollten die Schüler mit der Produktion beginnen. Diese scheiterte aber zunächst. "Leider mussten wir die Idee einer Stoffmütze mit Reflektoren verwerfen, weil es zu schwierig war, an das Material zu kommen." Also entschieden sich die Schüler für Kappen, an denen auf der Vorder- und Rückseite bereits Reflektoren angebracht sind und bestellten knapp 200 Stück bei der Firma Greiff.
Außerdem orderten sie 3000 reflektierende, einzelne Punkte, wie Pia Kestel berichtet. Diese Punkte wurden dann mithilfe der Klasse 6d des Clavius- Gymnasiums in Handarbeit angebracht. Die Rechnungen für die Produktion sind noch nicht eingetroffen, aber das Seminar hält insgesamt 1500 Euro bereit. "Die werden wir auch brauchen!", lacht die Lehrerin.
Die fertige Mütze stößt bei den Kindern auf große Begeisterung. "Sie finden sie cool, weil man sie auch verkehrt herum tragen kann", sagt Pia Kestel. Aber auch die Öffentlichkeit zeigt großes Interesse: "TV Oberfranken möchte nach den Ferien, wenn die Mützen vergeben werden, einen Film über unser Projekt drehen", berichtet Sandra Fischer.


Vielversprechende Zukunft

Die Glückspilzmütze wird im Schuljahr 2016/2017 an die Erstklässler der Domschule, Martinschule und der Kunigundenschule verteilt. Aufgrund des hohen Interesse kann sich das Seminar durchaus vorstellen, die Mützen in Zukunft auch zu verkaufen.
Sandra Fischer und Pia Kestel sind sich einig: "Wir bekommen tatsächlich viele Anfragen. Trotzdem müssen wir natürlich erst einmal sehen, wo sich die ganze Sache hinentwickelt."
Weitere Mitwirkende der Kleingruppe "Mützen" des Projekt-Seminars "Glück" sind Michelle Pettke, Daniel Eli, Philipp Reitz und Manuel Angulla-Schley.