Der Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit (Élysée-Vertrag) vom 22. Januar 1963, der von General Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer ratifiziert wurde, bildete die Grundlage für die spätere Städtepartnerschaft zwischen Neustadt bei Coburg und dem französischen Neustadt am Fluss Lot. Durch Vermittlung des französischen Konsuls Daniel Couderc aus München wurden Neustadt mit Grandvilliers, Lavaur und Villeneuve-sur-Lot drei in etwa vergleichbare Städte genannt, denen an einer "Jumelage" (Partnerschaft) gelegen war.
So reiste eine Delegation des Neustadter Stadtrates im Jahre 1974 nach Südfrankreich und führte mit Vertretern der Städte Villeneuve-sur-Lot und Lavaur Gespräche. Gestützt durch Gegenbesuche entwickelte sich mit Villeneuve-sur-Lot eine engere Verbindung, die bereits 1975 zu einem Schüleraustausch zwischen den beiden Gymnasien führte und 1976 durch mehrfache Begegnungen noch verstärkt wurde. Schließlich fasste der Stadtrat am 18. Oktober 1976 den Beschluss, mit der südfranzösischen Stadt die "Ehe" einzugehen. Bei der Unterzeichnung der Urkunden am 23. Juni 1977 im Rahmen einer Stadtratssondersitzung sagte Neustadts Oberbürgermeister Ernst Bergmann unter anderem: "Der heutige Tag wird in der jahrhundertealten Geschichte unserer beiden Städte einmal einen besonderen Rang einnehmen."


"Feinde" werden "Freunde"

Hellmut Grempel, damaliger Zweiter Bürgermeister und Vorsitzender des Ausschusses für deutsch-französische Zusammenarbeit, dankte Jean-Claude Cayrel, dem es gelang, in Villeneuve-sur-Lot Vorurteile abzubauen und selbst die ehemaligen Kriegsteilnehmer und Widerstandskämpfer für die gemeinsame Sache zu gewinnen. Dabei würdigte er auch besonders Bürgermeister Georges Lapeyronie, der - erst im März 1977 neu gewählt - zusätzliche Anregungen für die Städtepartnerschaft gab. Dies sei umso beachtlicher, als dieser während des Krieges zur Zwangsarbeit in Deutschland verpflichtet gewesen sei.
Dass sich in den ersten Jahren die Städtepartnerschaft durch Schüleraustausche und gegenseitige Vereinsbesuche so gut entwickelte, war dem besonderen Engagement von Hellmut Grempel und Andree Langosch sowie auf Villeneuver Seite Jean-Claude Cayrel, Komiteevorsitzender bis zu seinem Tod im Jahr 1995, sowie Luc Auzenau und Jaques Lagadère zu verdanken. Für die Schüleraustausche setzte sich besonders der damalige Oberstudienrat Oskar Hoffmann vom Arnold-Gymnasium ein. Von Anfang an dabei war auch Ben Bourebaba als unermüdlicher Helfer und Dolmetscher.
In den vergangenen 40 Jahren beteiligten sich an den gegenseitigen Austauschprogrammen über 20 Neustadter Vereine, Verbände, Kirchengemeinden und andere Organisationen sowie Klassen des Arnold-Gymnasiums. Besonders erfreulich ist, dass sich - nach einer längeren Pause - in letzter Zeit wieder Schüleraustausche angebahnt haben. Busfahrten einer Reihe von Neustadter Vereinen und zwei Bürgerbusfahrten festigten die Beziehungen, ferner auch die Besuche einiger Neustadter mit ihren "Ultra-Leichtflugzeugen". Zur Vertiefung der Partnerschaft trugen auch zahlreiche Einzelreisen bei, durch die sich regelrechte Freundschaften entwickelten. Viele davon haben heute noch Bestand. Und jeder, der schon mal in der französischen Partnerstadt zu Besuch war, schwärmt immer wieder von der herzlichen Gastfreundschaft und Feierlaune der Südfranzosen.


Gegenseitige Besuche

Umgekehrt kamen zum Neustadter Kinder- und Marktfest häufig Musik- und Tanzgruppen aus Villeneuve-sur-Lot. Aber auch andere Gemeinschaften aus den Bereichen Kultur, Sport, Tourismus oder Landwirtschaft entdeckten immer wieder die "Bayerische Puppenstadt".
Fast schon zu einer Tradition geworden ist der jährliche Besuch des Villeneuver Landwirts Benoit Lefebre zur Veranstaltung "Swing im Park". Dann können es viele Neustadter kaum erwarten, seine köstlichen Eigenprodukte wie zum Beispiel Pflaumen, Käse, Dosenwurst, Honig und Marmeladen zu erstehen. Bei so vielen Begegnungen ist es nicht verwunderlich, dass auch Ehen zwischen Bürgern beider Städte geschlossen wurden.