Thurnau und die Umgebung erkunden - das kann man ab April im Awo-Seniorendorf Kirschenallee. "Wir hatten uns seitens der Awo mit zwei Standorten im Rahmen der Ausschreibung der Raps-Stiftung beworben", erzählt Einrichtungsleiter Matthias Hoderlein.

13 neue Rikscha-Standorte hat die Stiftung in Oberfranken mit Unterstützung des Vereins "Radeln ohne Alter Deutschland" geschaffen, zwei davon in Stadt und Landkreis Kulmbach. Die Thurnauer Einrichtung erhielt neben dem Bürgerhospital in Kulmbach den Zuschlag und durfte sich Anfang des Jahres über die Lieferung einer E-Rikscha für zwei Passagiere freuen.

"Anfang Februar kam die Geschäftsführerin des Vereins zu uns und hat mit uns das Fahren geübt", erklärt Matthias Hoderlein. Drei Personen seien in Thurnau bereits zu sogenannten "Rikscha-Kapitänen" ausgebildet worden. Die Kapitäne wiederum dürften weitere Fahrer anleiten.

"Die Einweisung in das Rikschafahren ist Pflicht, schon aus Versicherungsgründen", sagt Hoderlein. Jetzt sucht das Seniorendorf weitere Freiwillige ab 18 Jahren, die einen Führerschein besitzen und ab und zu Senioren befördern wollen. "Der Führerschein ist wichtig, weil wir uns auch im Straßenverkehr und nicht nur auf Radwegen bewegen", erklärt Matthias Hoderlein, ein Personenbeförderungsschein sei jedoch nicht notwendig. Die Rikscha fahre höchstens 25 km/h, jedoch sei es nicht ratsam, 15 bis18 km/h auf ebener Strecke zu überschreiten. Das Motto der Kampagne laute zwar "für mehr Wind im Haar", aber "die Damen und Herren sollen ja auch was sehen können - ein Achterbahn-Feeling ist nicht gewünscht."

Margitte Sachs (83) freut sich schon auf ihren ersten Ausflug mit der Rikscha, den sie am liebsten mit ihrer Freundin Dora Felbinger (86) machen will. "Ich bin früher selbst viel Rad gefahren, täglich zwischen Burgkunstadt und Waffendorf", erzählt die Seniorin. Ein Auto habe man sich damals nicht leisten können. "Ich finde es schöner, als mit dem Auto zu fahren, man spürt die Luft und nimmt die Natur viel mehr wahr." Auch Dora Felbinger ist in ihrer Jugend viel Fahrrad gefahren und ist gespannt auf die erste längere Fahrt. Gerne würde sie einmal bis nach Kasendorf fahren oder die Urenkel in Krumme Fohre besuchen. "Oder wir lassen uns beide in ein Gasthaus fahren, um schön zu essen." Das sonnige Wetter nutzten sie gleich einmal, um mit Ergotherapeut und Rikscha-Kapitän Alexander Herold eine kleine Runde um den Parkplatz zu drehen.

Fahrten kosten nichts

Herold war der erste Rikscha-Kapitän, der ausgebildet wurde. "Ob Ehrenamtliche oder Angehörige, wir hoffen, dass sich viele Menschen bei uns melden, die Rikschafahrer werden wollen." Der Rikscha-Dienst sei ein weiteres Angebot für die Mobilität der Senioren, um auch an Ziele zu gelangen, die man mit dem Rollator oder Rollstuhl nicht so einfach erreicht. Es werde einen Belegungsplan geben, und je mehr Fahrer es gebe, umso mehr Senioren kämen in den Genuss des Fahrdienstes. Die Fahrten sind für die Bewohner natürlich kostenfrei, die Senioreneinrichtung kommt für alle laufenden Kosten wie Instandhaltung, Versicherung etc. auf, "dazu mussten wir uns verpflichten", sagt Einrichtungsleiter Hoderlein.

Der Heimbeiratsvorsitzende Otto Weiß (65) findet es ebenfalls großartig, dass es jetzt einen Rikscha-Service in Thurnau gibt. "Man hat durch das Radfahren ein ganz anderes Gefühl für die Natur, und gewisse Punkte in der Landschaft sind mit dem Rad leichter erreichbar."