Zu den Berichten "Ein Kunstwerk, das polarisiert" und "Braucht es das Kunstwerk auf dem Kersbacher Kreisverkehr?" vom 10. November sowie "Es lenkt arg vom Fahren ab" vom 11. November: "Weg damit!" und "völlig unnütz" scheint die überwiegende Meinung der Bevölkerung zum Kunstwerk am Kersbacher Kreisel zu sein, wenn man die plakativen Posts und Kommentare in den sozialen Netzwerken und im FT liest. Deshalb lasst uns das metallene Großbuchstabenband wieder entfernen, einen Erdhaufen aufschütten und diesen mit Primeln, Tulpen und Narzissen hübsch bepflanzen, so wie man es vielerorts in gleicher Art findet!

"Nur nicht auffallen" und "gewohnt langweilig" scheint das (Lebens-)Motto vieler Zeitgenossen im Allgemeinen und zu Kunst im Besonderen zu sein. Leider sahen sich die meisten kreativen und über den Tellerrand hinausdenkenden Künstler und Mäzene mit ihren Werken - zumal, wenn sie im öffentlichem Raum stehen und eine Botschaft transportieren - oftmals dieser Meinung ausgesetzt. Egal, ob Gustave Eiffel (Wahrzeichen von Paris), Peter Eisenman (Holocaust-Mahnmal in Berlin) oder Jürgen Weber (Ehekarussellbrunnen in Nürnberg), sie alle wurden vom Großteil der Bevölkerung für ihre Kunst zunächst kritisiert.

Kunst ist stets individuelle Geschmackssache und liegt immer im Auge des Betrachters, und man kann über die Sinnhaftigkeit des Tieck-Zitats sicher streiten. Aber Kunst soll auch wachrütteln und bewegen. Ohne Kunst wäre unsere Welt ärmer! Das merkt man gerade in diesen aktuellen Corona-Zeiten, wo Kunst- und Kulturbetrieb nahezu völlig zum Erliegen gekommen sind. Der Mensch lebt nicht nur, um zu überleben, um zu arbeiten und um zu konsumieren. Sondern der Homo sapiens lebt auch von geistiger Nahrung und mentalen Eindrücken und definiert und unterscheidet sich gerade dadurch von anderen Lebewesen. Daher gehört Kunst nun mal in den öffentliche Raum und schadet - besonders in der mit Kunst und Kultur nicht gerade im Übermaß gesegneten Großen Kreisstadt - sicher nicht. Der Kersbacher Kreisel und seine künstlerische Botschaft stellen von daher eine Bereicherung für den ganzen Landkreis dar und von daher Chapeau an Harald Winter und seine Förderer!

Edwin Rank

Weingarts