Ausgerechnet in der Nacht zu ihrem 90. Geburtstag hatte sich Elise Opel, geborene Gebhardt, kurz vor dem Schlafengehen bei einem Sturz Prellungen am ganzen Körper zugezogen. Doch die Jubilarin ließ sich nicht unterkriegen, hielt tapfer durch und feierte im Kreise ihrer Großfamilie ihren runden Geburtstag.
Im benachbarten Metzlesdorf bei Stammbach ist Elise Opel geboren und aufgewachsen. Zur Heirat mit dem Landwirt Robert Opel im Jahr 1948 zog sie mit zwei Kammerwägen, die einen Teil der Möbelstücke für das gemeinsame Eheleben enthielten, von Stammbach nach Neufang. Elise Opel erinnert sich noch: "Ich hatte von meinen Eltern eine Küche und ein Schlafzimmer bekommen und das wurde mit den Kammerwägen und einem Pferdegespann nach Neufang transportiert." Und nachdem die Mitgiftzwischen den Eltern ausgehandelt wurde, musste noch eine Kuh dreingegeben werden, die hinten an dem letzten Kammerwagen angespannt war und den Weg mit nach "Eifing" ging.
Es folgten für die junge Bauersfrau keine einfachen Jahre,, denn nach der Geburt ihrer Tochter wurde festgestellt, dass diese mit einer Kinderlähmung leben muss. "Das war für mich damals ganz schlimm und das vergesse ich auch nicht. Es war sehr schwer, denn wir gehörten damals keiner Krankenkasse an und lange Zeit wurde die Kinderlähmung überhaupt nicht festgestellt. Ich war da überall und wir hatten aber kein Auto und die Wege mussten alle zu Fuß zurückgelegt werden. Ich bin mit dem Kinderwagen von Neufang auf Neuenmarkt geschoben und erst ein Naturheilpraktiker in Coburg hatte dann die Kinderlähmung festgestellt", erinnert sich die 90-Jährige.
Den landwirtschaftlichen Betrieb, den sie über viele mit ihrem bereits verstorbenen Ehemann Robert führte, baute später der jüngste Sohn Karl Heinz im Laufe der Zeit zu einem stattlichen Betrieb aus, in dem die Jubilarin bis zum Alter von 85 Jahren immer noch tüchtig mithalf. "Früher musste ja noch alles mit der Hand auf die Wägen aufgeladen werden. Einmal bin ich sogar vom Wagen runtergefallen und da habe ich auch noch mein Andenken dran."
Die Arbeit auf dem Hof hat ihr bis zuletzt aber auch Freude bereitet, weil sie auch mitverfolgen konnte, wie der Betrieb kontinuierlich gewachsen ist. Hauptsächlich war sie im Stall tätig und versorgte das Vieh. Irgendwann kam aber von ihrem Sohn Karl Heinz der "Befehl": "Bleib drinna, Du hast genug gärbert!"
Als fürsorgliche Oma war Elise Opel auf dem Hof für alles da. Meistens stand sie in der Küche oder kümmerte sich liebevoll um den Nachwuchs. Mit ihr feierte auch die Zwillingsschwester Anna ihren 90. Geburtstag. Und der Zufall wollte es, dass auch sie eine ähnliche Verletzung kurz vor ihrem Geburtstag erlitt. Elise Opel augenzwinkernd: "Wir haben es einander nachgemacht! Aber zuerst ist sie hingefallen. Wir müssen aber dankbar sein, dass wir solange miteinander zusammen sein konnten."
Für die Marktgemeinde Wirsberg gratulierte Bürgermeister Hermann Anselstetter: "Sie sind eine Altbäuerin wie aus dem Bilderbuch. Dank Ihres Fleißes, Ihres Pflichtbewusstseins und Ihrer Liebe zu Ihrem Mann sind Sie rasch zur erfolgreichen Hofbäuerin geworden! Heute zeichnen Sie Ihre Gelassenheit, Ihr Interesse an der Zukunft des Hofes und Ihre fürsorglichen Gedanken um die Familie aus." Trotz der vielen Aufgaben in der Landwirtschaft sei das Ehrenamt in der Familie Opel eine starke Säule geworden.
So sei ihr Ehemann elf Jahre lang Gemeinderat in Neufang gewesen, ihr Sohn Karl Heinz sei als Träger der Goldenen Bürgermedaille als zweiter Bürgermeister und Kreisrat engagiert, ihr Sohn Herbert sei lange Bürgermeister der benachbarten Stadt Kupferberg gewesen und ihre Schwiegertochter Beate zeichne sich als erfolgreiche Kreisbäuerin aus.
Stellvertretender Landrat Dieter Schaar (FW) gratulierte für den Landkreis Kulmbach und Silvia Schramm als stellvertretende Kreisbäuerin für den BBV-Kreisverband Kulmbach.
Werner Reißaus