Christiane reuther

Orientalischer, fränkischer oder alpenländischer Stil? Beim Krippenbau sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. So sehen es jedenfalls die Krippenbauer Finn Düring und Lorenz Eirich. Sie haben nach ihren eigenen Ideen eine Krippe gebaut. Unter der fachmännischen Federführung des Knetzgauer Krippenbauers Walter Märkl haben beide unabhängig voneinander und trotz Corona einen Krippenstall und ein Haus mit Stall gefertigt. Beide Objekte präsentierten die Krippenbauer stolz noch vor Beginn des Lockdowns. Während Lorenz Eirich aus dem Knetzgauer Gemeindeteil Westheim einen Krippenstall mit Schindeldach baute, nahm sich der 14-jährige Finn Düring aus Knetzgau das Haus der Vorfahren als Vorbild.

Wie kommt ein Jugendlicher auf den Geschmack des Krippenbauens? Als Neunjähriger entfachte bei Finn Düring das erste Mal die Leidenschaft fürs Krippenbauen. Damals besuchte er im Rahmen des Ferienprogramms der Gemeinde Knetzgau einen Krippenbaukurs bei Walter Märkl. Fünf Jahre später ist in dem Teenager die Idee geboren, eine zweite Krippe zu schaffen. Die Frage nach einer orientalischen oder fränkischen Krippe war schnell geklärt. Finn Düring wollte seinem Onkel, Bäckermeister Edgar Düring, eine Freude machen. Er nahm das altehrwürdige fränkische Fachwerkhaus der Bäckerei Düring ins Visier. In früheren Jahren war neben der Bäckerei, die heute noch vom Onkel betrieben wird, auch eine Weinstube im Haus integriert, das den "Plan"-Platz in Knetzgau schmückt.

Der 14-Jährige ist vielseitig interessiert und engagiert sich unter anderem beim Technischen Hilfswerk (THW) in Haßfurt. Die Fingerfertigkeit und Kreativität wurden dem Teenager offensichtlich in die Wiege gelegt, deshalb besucht er auch den Werken-Zweig der Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule in Haßfurt.

Ganz so einfach war es dann doch nicht bei der Umsetzung des Projekts. "Das Fachwerkhaus als offener Krippenstall war kaum machbar", sagt der Achtklässler. Deshalb hat Finn Düring die Situation im Hof der Bäckerei nachempfunden und den Krippenstall quasi wie die Lagerhalle an das Fachwerkhaus angebaut. "Die Architektur des Hauses musste leicht abgewandelt werden", sagt der Jugendliche. Dafür wurden Fenster und Fassade neu gestaltet. Detailgetreu haben die Fenster sogar Vorhänge bekommen.

Vier Monate hat der Jugendliche ein bis zweimal in der Woche unter Anleitung coronakonform mit den gängigen Abstandsregeln an seinem Fachwerkhaus mit Stall in der Werkstatt von Walter Märkl gearbeitet und von dem erfahrenen Krippenbauer wertvolle Tipps erhalten. Dazu zählen für den Realschüler, wie er den Korpus für das Haus gestalten konnte und wie sich verschiedene Arbeitsgänge intensivieren lassen. Das Kunstwerk des Jugendlichen ist rechtzeitig zum Weihnachtsfest im Schaufenster der Bäckerei Düring zu bestaunen.

Jedes Jahr eine neue Krippe

Aus Spaß an der Freude hat sich Lorenz Eirich der Leidenschaft des Krippenbaus gewidmet. "Quasi jedes Jahr eine Krippe", erzählt der 66-jährige Rentner, der den Beruf des Bankkaufmanns erlernt hatte.

Als Organist im Landkreis im Einsatz, ist er dem Geschehen rund um Weihnachten besonders aufgeschlossen. Zwei oder drei der acht von ihm gefertigten Krippen stellt Eirich jedes Jahr im Wechsel bei sich zu Hause auf. Eine von ihm gefertigte orientalische Krippe hat der Westheimer so angepasst, dass sie in den Treppenaufgang seines Hauses passt. Von der fränkischen über die alpenländischen bis hin zur orientalischen Bauweise hat er verschiedene Krippenstile ausprobiert. Sogar eine Laternenkrippe zählt der Krippenbauer aus Westheim zu seinen Kunstwerken.

Je nach Krippenstil kann sich der Bau einer Krippe laut eigener Aussage auch über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren hinziehen, wie etwa bei dem aktuellen Krippenstall. Diesen überlässt der Krippenbauer als Dauerleihgabe dem "Offenen Treff" in Westheim.

Eirich hat die Erfahrung gemacht, dass es einer großen Fingerfertigkeit bedarf, um eine Krippe zu gestalten. Er verweist dabei auf das Schindeldach. Jede Holzschindel wurde einzeln ausgesägt, auf alt getrimmt und versetzt wurden die Teile übereinander zusammengeklebt.

Welchen Tipp hat der 66-Jährige für künftige Krippenbauer parat? "Viel Zeit, Muse und Liebe zum Detail mitbringen."

Die Liebe und Freude am Krippenbauen hegt Walter Märkl zeit seines Lebens. Unzählige Krippen habe Märkl laut eigener Aussage von Kindheit an in den letzten 70 Jahren gebaut. Der 80-Jährige hat aber auch gerne Krippenbauer jedes Alters unter seine Fittiche genommen. Deshalb sprechen Finn Düring und Lorenz ein großes Lob an Walter Märkl aus.