Vierzehnheiligen — Das Hochamt zum Kirchweihfest der Basilika wurde am Sonntag durch den Basilika-Chor aus Gößweinstein unter der Leitung von Georg Schäffner musikalisch gestaltet. Mit Georg Hagel an der großen Rieger-Orgel und Markus Ritzel an der Chororgel erlebten hunderte von Gläubigen einen eindrucksvollen Kirchweihgottesdienst. Neben der Feier der Eucharistie und der brillanten Predigt von Pater Heribert Arens erfüllte die Musik das große Kirchenschiff mit seiner Votiv- und Anbetungskapelle, deren Türen geöffnet waren. Im Schlusschor "Großer Gott wir loben dich" triumphierte die große Orgel über Chor, Orchester und dem kräftigen Gesang der Kirchenbesucher.
Als dem Schäfer Hermann Leicht 1446 die 14 Nothelfer erschienen, war dies der Beginn eines der bedeutendsten Wallfahrtsorte am Obermain, der Basilika Vierzehnheiligen. Seitdem ziehen Wallfahrer nach Frankenthal, zu der Kirche, die der Muttergottes und den 14 Nothelfern geweiht ist. Am Sonntag wurde der Weihe der heutigen Kirche vor 242 Jahren gedacht. Die feierliche Einweihung der von Balthasar Neumann erbauten prächtigen Barock-Rokoko-Kirche erfolgte nach 29-jähriger Bauzeit am 16. September 1772 durch Fürstbischof Adam Friedrich Seinsheim unter dem Abt Malachias Limmer. Daran erinnerte der Rektor der Basilika, Pater Heribert Arens, in seiner Predigt. Doch nicht die Geschichte des Gotteshauses war Inhalt seiner eindrücklichen Worte, sondern der Kirchenbau als Heimat der Gläubigen. "Gott sehnt sich nach den Menschen, die in sein Haus kommen", sagte er. In der Kirche könnten Glaubende Gemeinschaft erleben. "Wir brauchen die anderen, die mit uns leben", sagte der Pater. "Wir sind keine Exoten, sondern eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig stützt und stärkt." Kirchen seien für die Ewigkeit gebaut, sagte der Geistliche. Doch sie seien wie Wartesäle, in denen Menschen auf die Ankunft des Zuges warten. "In den Kirchen warten wir auf die Ankunft Jesus", unterstrich Pater Heribert. "Die Wartezeit sollten wir nutzen, um uns darauf vorzubereiten." Nicht selten seien die Kirchen leer, doch sollte das nicht entmutigen.
Viele warteten in diesem "Wartesaal Leben" auf das Wunder, dass es einmal etwas Besonderes, etwas Neues, etwas ganz Anderes gibt als bisher. Vielleicht könne man in dieser Art Warten eine Ahnung von dem entdecken, was adventliche Erwartung meint, sagte der Pater. awe