Cindy dötschel Ursprünglich hatte Thomas Weinberg einen anderen Plan: "Ich wollte Architekt werden oder Werbegrafiker." Doch dann kam alles anders. Bereits in den 60er Jahren nahm der heute 73-Jährige an Tanzsportturnieren teil, seine Mutter hatte zu dieser Zeit bereits eine eigene Tanzschule. "Als sie ein paar Tage krank war, bin ich eingesprungen, das Unterrichten hat mir sehr viel Spaß gemacht", sagt Weinberg, er sei quasi in den Tanzsport hineingewachsen.

1969 bestand er seine Prüfung zum Tanzlehrer. Noch im selben Jahr gründete er die Tanzschule Weinberg. "Ich übernahm die bestehenden Kurse von Paul und Elly Hoffmann und unterrichtete im ganzen Landkreis." Das Zentrum war das Kronacher Schützenhaus. Noch heute finden hier die Abschluss- und Jubiläumsbälle der Tanzschule statt.

Höhen und Tiefen

Mit der Zeit hatte sich alles gut eingespielt. "Mittlerweile hatten sich Hobby- und Wettkampfformationen für Standardtänze gebildet, die ich noch besser unterstützen wollte", 1980 legte Weinberg deshalb die Prüfung zum Tanzsporttrainer ab. Sieben Jahre später gründete er den TanzTurnierClub Rot-Weiß Kronach.

Bis zu dessen Auflösung im Jahr 2010 trainierte er unter anderem eine Standardformation der zweiten Bundesliga. "Wegen fehlender sportlicher Perspektiven riet uns der Deutsche Tanzsportverband davon ab, weiterhin Turniere durchzuführen", bedauert Weinberg. Es habe ihm persönlich sehr wehgetan, dass nicht mehr genügend Tanzpaare nach Kronach kamen, zu entlegen sei die Stadt gewesen.

Gerne erinnert sich Weinberg dagegen an die Jahre zurück, in denen Rock 'n' Roll und "Dirty Dancing" die Tanzszene prägten. "In den 70ern und 80er haben einige Paare bei mir Rock 'n' Roll getanzt und sogar an Einzelturnieren im ganzen Bundesgebiet teilgenommen", erzählt er stolz.

Der Mambo war der Renner

Nach der Veröffentlichung von "Dirty Dancing" sei der Mambo dann der absolute Renner gewesen. "An manchen Samstagen liefen drei dreistündige Kurse hintereinander." Die ersten Paare seien um 14 Uhr zum Kurs gekommen und die letzten hätten die Tanzschule um 1 Uhr nachts verlassen. "Jeder wollte halbakrobatische Elemente, wie Bodenfiguren oder einen Schultersitz, beherrschen." Einen vergleichbaren Hype habe es in den letzten Jahren nicht mehr gegeben.

Heute hat sich Weinberg selbst weitestgehend zurückgezogen. Seine Tochter Katja und sein Sohn Sascha haben die Tanzschule übernommen, er stehe ihnen mit Rat und Tat zur Seite. "Innerhalb der Tanzschule gab es stets viel zu lachen, ohne ging und geht nichts. Wer nicht über sich selbst lachen kann, ist mit Tanzen schlecht beraten", sagt er rückblickend.

In Zeiten der Sendung "Let‘s Dance" würde der Andrang an Tanzschulen wieder zunehmen. "Das Format ist positiv für Tanzschulen, weil es das Interesse weckt." Derzeit seien klassische Gesellschaftstänze sowie Disco Fox und Salsa am beliebtesten bei den Tanzschülern.

Ball zum Jubiläum

Die Veranstaltung von Galabällen in Coburg und Kronach gehört zur Tradition der Tanzschule Weinberg. "Früher konnten wir Tanzpaare, die zur Weltspitze gehörten, als Showacts verpflichten", erzählt Weinberg. Heute sei dies ein sehr schwieriges Pflaster.

Trotzdem werden am Jubiläumsball anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Tanzschule ein Standard- und ein Lateinpaar auftreten. Weinberg selbst möchte einen langsamen Walzer mit seiner Frau tanzen.