Theisau — Sie haben mit ihrem Engagement Millionen von heimischen Singvögeln über den nahrungsarmen Winter geholfen, haben sie im Sommer mit geeigneten Nisthilfen bei der Aufzucht der Nachkommen unterstützt - und das zu einer Zeit, lange bevor Politik und Öffentlichkeit das Thema Umwelt- und Naturschutz entdeckte.
Am vergangenen Wochenende feierte der Verein für wirtschaftlichen Vogelschutz sein 75-jähriges Bestehen. Das Ereignis wurde mit einem Gottesdienst und einem Festabend würdig gefeiert.
Der Verein wurde im Jahr 1939 unter dem damaligen Bürgermeister Georg Schubert zum Schutz der hungernden Vögel gegründet. Die Mitglieder waren ausschließlich Bauern, die erkannt hatten, welche wichtige Rolle der heimischen Vogelwelt bei der Bekämpfung von Schädlingen zukommt.

Tanz und Ausflüge

"Es waren Leute, die mit und in der Natur arbeiteten", sagte die Vorsitzende des Vereins, Marianne Härtel, in ihrem Rückblick deutlich. Die Bauern sollten damals keine Hecken abholzen und die Jugend ermahnte man, keine Vogelnester auszunehmen. Mit dem Erlös von Spenden und Losverkäufen finanzierten die Mitglieder die Winterfütterung. Darüber hinaus pflegte der Verein auch die Geselligkeit in Form von Tanzveranstaltungen und Vereinsausflügen.
Seit 61 Jahren ist Franz Fiedler Mitglied im Verein. Sein Vater hatte ihn angemeldet, wie es damals üblich war. Der Theisauer kann sich noch gut an die 1950er-Jahre erinnern. Damals war das Geld knapp und die Bauern haben die Nistkästen aus hohlen Baumstämmen noch selbst gebaut. Oben und unten kam ein Deckel drauf, ein Loch wurde gebohrt und fertig war der Nistkasten. "Heute werden Beton-Nistkästen verwendet", berichtet Fiedler. Ihr Vorteil liege darin, dass sie leichter zu reinigen seien.

Singvögel als Haustier

Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhundert war es durchaus noch üblich, heimische Singvögel auch in Käfigen zu halten. Volieren-Vögel gab es damals kaum. Doch dazu benötigte der Halter viele Kenntnisse über die Vogelart und die Zusammensetzung ihres bevorzugten Futters.
"Die Vögel mussten naturbezogen gehalten werden, sonst hätte ihr Gefieder die Farbe verloren und gesungen hätten sie auch nicht mehr", weiß Franz Fiedler zu berichten. Er kann sich noch gut daran erinnern, dass die Leute dafür eigens Mehlmaden züchteten, die dann verfüttert wurden.
Im Dorf wurde immer viel Wert darauf gelegt, dass die Vogelwelt erhalten bleibt. Die Häuschen der Winterfütterung wurden so aufgestellt, dass die gefiederte Schar beobachtet werden konnte.

Nicht nur Winterfütterung

"Da hat man dann seine Freude daran", erklärt Fiedler. Bürgermeisterin Christine Frieß (CSU) gratulierte zum Jubiläum und dankte dem Verein unter ihrer Ersten Vorsitzenden Marianne Härtel für den Einsatz und die geleistete Arbeit. Vogelschutz sei mehr als Winterfütterung und Nistkastenbau. "Vorrangig geht es um den Schutz der Lebensräume und der Lebensbedingungen und um den Erhalt einer gesunden und lebenswerten Umwelt", sagte die Bürgermeisterin. Vogelschutz sei daher auch der Schutz des Menschen und seiner eigenen Lebensqualität.
Es gratulierten auch die örtlichen Vereine, der Vorsitzende des Reitvereins Tilo Hassert, der Vorsitzende des Radfahrvereins Concordia Edelweiß, Wolfgang Hanna, Benedikt Vonbrunn vom Tischtennisclub Theisau und der Vorsitzende der freiwilligen Feuerwehr Paul Ziegler sowie Hans Weber von der Kapellenverwaltung.
Sie alle würdigten die Arbeit des Vereins, die im Ganzen auch der Allgemeinheit zu Gute komme. Gerda Völk