Obwohl Emil Herold ein Menschenalter lang für seine Heimatstadt da war und er ihr im wahrsten Sinne des Wortes sein Leben opferte, erlebte er immer wieder Enttäuschungen und Entbehrungen wie teils erschütternde Tagebuchaufzeichnungen zeigen. "Wer in Neustadt Geld im Beutel hat, da darf das Rindvieh noch so groß sein, vor dem hat man Respekt, er mag sein Geld durch Spekulationen oder durch den Fleiß anderer verdient haben, das ist gleich", schrieb Herold beispielsweise. Oder auch: "Meine Nächte habe ich geopfert für Neustadt - hat mich's freilich keiner geheißen, was habe ich an Bargeld im Interesse meiner Heimatstadt geopfert - ich hätte keinen Pfennig Schulden, hätte ich's nicht getan - und nun kann jeder Aff' die Stiefel an mir abputzen" (Aufzeichnungen vom 9. Februar 1928).

Außerdem überschatteten schwere Schicksalsschläge seinen Lebensabend. Geboren wurde Emil Herold vor 140 Jahren am 23. Oktober 1880 in der Rosenstraße 11. Die Eltern waren der Bossierer Gustav Herold aus Almerswind und die Schneiderin und Fahnenstickerin Bertha, geborene Heinze. Die Mutter verstarb schon im Alter von 23 Jahren am 4. November 1882 an Kindbettfieber und deren zweiter Sohn Ernst Gottlieb am 4. März 1883 infolge von Keuchhusten. Vater Gustav heiratete am 11. November 1883 wieder und Emil wuchs sodann mit fünf weiteren Geschwistern auf.

Die Knabenschule an der Heubischer Straße war die erste Schulstätte, bevor "Max Emil" die Oberrealschule in Sonneberg besuchte und dort sein Abitur mit Auszeichnung bestand. Danach studierte er in Halle, Berlin und München Philosophie und Germanistik.

Nach dem Abschluss seines Studiums fand er, nachdem er sich für kurze Zeit wieder in Neustadt aufhielt, im Jahre 1905 in München eine Heimstatt. Er war dort mit Helene Leichner, aus Gotha stammend, verheiratet.

Arbeit beim Vorläufer der SZ

In der Bayernmetropole war seinerzeit auch der bekannte Neustadter Kunstmaler Karl Arnold. Von ihm und seinem Freundeskreis wurde Emil Herold herzlich aufgenommen. Bei der "Münchener Neuesten", der heutigen "Süddeutschen Zeitung" fand er als Redakteur eine gute Anstellung und eine interessante Tätigkeit.

Außerdem wirkte er als "Freier Mitarbeiter" bei verschiedenen größeren Zeitungen. Nach dem plötzlichen Tod seiner jungen Frau heiratete er 1913 Elise Starklauf aus Nürnberg. Sie schenkte ihm die Kinder Heinrich und Elisabeth.

Emil Herold war im 1. Weltkrieg als Kriegsberichterstatter an der Ostfront im Einsatz. Nach Kriegsende nahm er seine schriftstellerische Tätigkeit in München wieder auf. Von dort aus setzte er sich für den Anschluss des Coburger Landes ein. 1923 holte ihn Geheimrat Max Oscar Arnold nach Coburg, um mit ihm zusammen das "Coburger Heimatfest" zu organisieren.

Ein dreiviertel Jahr lang wohnte er nun mit seiner Familie auf der Veste Coburg und widmete seine ganze Kraft der Ausgestaltung dieses Festes. Viele Neustadter Freunde drängten ihn, wieder nach Neustadt zurückzukehren. Diesem Ruf folgte er, gab seine gut bezahlte Redakteursstelle in München auf, um in seiner Heimatstadt als freier Schriftsteller tätig zu werden - was er später bitterlich bereute.

Zunächst arbeitete und schrieb er für auswärtige Zeitungen. Mehr und mehr befasste er sich dann mit der Heimat- und Sippenforschung. Daraus erklärt sich auch, dass er in den Jahren 1927/1928 den "Coburger Heimatverein", die heutige "Historische Gesellschaft" als Vorsitzender leitete. Herold schrieb für das Neustadter Tageblatt und auch für auswärtige Zeitungen viele heimat- und familienkundliche Aufsätze.

Durch seine Erzählkunst und seine Art, geschichtliche Dinge in lebendiger und eindringlicher Weise darzustellen, gewann er schnell die Herzen der Leser. Von 1925 bis 1933 war Emil Herold der maßgebliche Mitarbeiter an der Heimatbeilage des Neustadter Tageblattes "Rund um den Muppberg". Auch den Coburger Heimatkalender des Jahres 1930 hat er mit seinen Beiträgen wesentlich bereichert.

Er war so begabt, dass er auch mit Romanen und Erzählungen an die Öffentlichkeit treten konnte. Ein Beispiel dafür ist "Die Nonnengräfin von Sonnefeld". Zahlreiche seiner schriftstellerischen Arbeiten sind in Buchform erschienen: Besonders zu erwähnen ist, dass seine Tochter Elisabeth Rückert 1967 seine humorvollen Erzählungen unter dem Titel "Muggiburg" in Buchform herausbrachte.

Monatliche Feldpostbriefe

Während des Zweiten Weltkrieges war Herold mit den monatlich erscheinenden Feldpostbriefen "Neustadt - Deine Heimat" das Bindeglied zwischen daheim und draußen. Für die sich auf Heimaturlaub befindlichen "Landser" organisierte er allmonatlich Heimat- und Mundartabende auf der Arnoldhütte.

Herold verstarb bereits mit 66 Jahren am 25. November 1946. Schwere Schicksalsschläge - sein Sohn Heinrich war gefallen, der Schwiegersohn vermisst - und die schlechte Versorgungslage trugen sicherlich zum frühen Tod bei.

Emil Herold wirkte und schaffte für seine Heimatstadt mit unermüdlichem Einsatz. Trotzdem konnte er kein sorgenfreies Leben führen. In Neustadt kam er aus finanziellen Bedrängnissen nicht mehr heraus, obwohl der zeitweise bis zu zwölf Stunden täglich arbeitete. Am 5. August 1927 vertraute er, wie es Helmut Scheuerich in seinem Buch "Emil Herold und sein geliebtes Neustadt" schildert, seinem Tagebuch an, dass ihm Strom und Gas gesperrt wurden, weil er seine Rechnungen nicht bezahlen konnte. Nachstehend sind seine Gedanken, die er sich hierzu machte, auszugsweise wiedergegeben:

"Meine historischen Arbeiten waren gut und sind mit Begeisterung aufgenommen worden. Aber sie haben mir keinen Verdienst gebracht, ja ich habe mit den mir gnädigst ausgeworfenen Honoraren nicht einmal meine ganzen Auslagen hereingebracht. (...) Dabei habe ich in Wirklichkeit gar keine Schulden! Ich habe noch Außenstände bei auswärtigen Zeitungen in Höhe von cirka 300 Mark (...) und für den von mir geschriebenen neuen Führer von Neustadt soll ich 1500 Mark erhalten. Aber niemand in Neustadt leiht mir 90 Mark, damit ich Gas und Strom bezahlen kann!"

Aus heutiger Sicht ist es eigentlich unverständlich, warum Emil Herold aufgrund seines nimmermüden Wirkens und seines Einsatzes für die Stadt Neustadt und die nähere Heimat nicht zum Ehrenbürger ernannt wurde, was ja "posthum" nachgeholt werden könnte. Immerhin hat die Stadt Neustadt in den 60er-Jahren die Leistungen Herolds mit einer Gedenktafel an seinem Geburtshaus und durch die Benennung eines Weges im Baugebiet "Süd" anerkannt. In einem Geleitwort zum 1967 erschienenen Buch "Muggiburg" hat der damalige Oberbürgermeister Ernst Bergmann den Heimatforscher mit folgenden Zeilen nochmals gewürdigt:

"Unserem Heimatschriftsteller Emil Herold kommt neben dem Chronisten Pfarrer Albert Greiner und unserem Mundartdichter Albert Arnold das unbestrittene Verdienst zu, sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für die Erforschung, Erhaltung und Pflege unseres Neustadter Kulturgutes am wirksamsten und nachhaltigsten eingesetzt zu haben. Seine zahlreichen Arbeiten und Veröffentlichungen über die Geschichte und die Bürger unserer Stadt lassen jeden Leser deutlich spüren, wie stark das Gefühl der Heimatliebe und Heimatverbundenheit in ihm ausgeprägt war. Und wer seinen Lebensweg kennt, weiß, dass er ein Leben im Dienst für seine Vaterstadt gelebt hat."