Wer waren die Frauen der Reformation? "Wenn wir uns überhaupt an sie erinnern, dann sind es ehemalige Klosterfrauen, Adelige, Ehefrauen von Männern mit großem Namen", sagte der evangelische Dekan Johannes Grünwald bei der Eröffnung der Ausstellung "Frauen der Reformation in der Region" im Stadtmuseum.
Organisiert vom Evangelischen Bildungswerk der Dekanate Kronach-Ludwigstadt und Michelau mit dem Aktionsbündnis der Lichtenfelser Frauengruppen und dem Stadtmuseum Lichtenfels, wird diese Wanderausstellung bis 3. April im Stadtmuseum gezeigt.
"Die Reformation hätte kein Einzelner schaffen können. Es ist ein Werk vieler, auch von Frauen. Da gab es die Idee, das weibliche Antlitz der Reformation hervortreten zu lassen", sagte Pfarrerin Carola Ritter über die Anfänge des Projekts. Unter ihrer Leitung entwickelten die evangelischen Frauen in Mitteldeutschland die Ausstellung mit zwölf Porträts.
Dabei wollten sie vor allem Frauen aus Mitteldeutschland vorstellen, die bisher im Schatten gestanden hatten. Außerdem sollten die Frauen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten stammen.
Sie stehen repräsentativ für viele Frauen und auch nicht nur für die Zeit der Reformation, wie auch Pfarrerin Anne Salzbrenner bemerkte: "Als Theologin weiß ich, dass damals wie zu allen Zeiten viele Frauen ihre Kirche im Sinne Jesu verbessern wollten, aber nicht zu Wort und Gehör kamen."


Paten für die Porträts

Für die zwölf Porträts gibt es elf Patinnen und einen Paten. Jeder beschäftigte sich intensiv mit einer Person und schrieb für jede ein persönliches Porträt. Ergänzt werden diese durch Tafeln, die über die Umstände der Reformation informieren.
Lichtenfels ist eine besondere Station der Wanderausstellung, denn hier wird sie um ein 13. Porträt erweitert: das Porträt Caritas Pirckheimers. Sie lebte von 1467 bis 1532 und ihre Ausstellungspatin ist Maria Hollering-Hamers.
"Bleib ich bei meinem Glauben oder wage ich mich an Neues heran?", formulierte Hollering-Hamers die entscheidende Frage, die sich viele in dieser Zeit stellen mussten, so auch Pirckheimer. Obwohl die Äbtissin vielen reformatorischen Ansichten zustimmte, entschied sie sich für das Leben als katholische Nonne. Sie setzte durch, dass das Kloster in Nürnberg im Zug der Reformation nicht wie so viele andere Klöster aufgelöst wurde.
"Sie war eine Frau, die ihren eigenen Weg ging. Ich suche oft in der Geschichte nach Frauen, die Mut machen. Ich möchte mich inspirieren lassen", sagte Hollering-Hamers über die Recherche. "Im Einsatz für ihre Nonnen, da ging sie ziemlich forsch ans Werk" beschrieben die Sängerinnen des Chors "Frauenklänge" (Leitung: Karin Dietz) die Nürnberger Äbtissin in ihrem Lied. Sehr kreativ brachte sich der Chor während der Vernissage mit eigenen Texten und ausgezeichneter Liedauswahl ein.
Unter den porträtierten Frauen finden sich sehr emanzipierte Frauen wie die Schulleiterin Magdalena von Staupitz und die sächsische Kurfürstin Anna von Dänemark, aber auch solche, die für das Leben unterdrückter Frauen stehen, so wie Catharina Mosbach, die von ihrem Mann misshandelt wurde.
Etwa 30 Interessierte, darunter viele Frauen, waren zur Vernissage gekommen. "Ich bin sehr beeindruckt", sagte eine Frau über die Ausstellung, und eine andere fügte hinzu: "Es sind auch Frauen dabei, von denen ich noch nichts gehört habe."
Viele Frauen trugen die Reformation nach außen fast unmerklich weiter. "Frauen waren es, die sich für Ideen der Reformation einsetzten und sie verbreiteten, indem sie ihre Kinder im evangelischen Sinn erzogen", auf diesen Aspekt wies Zweite Bürgermeisterin Sabine Rießner hin.
Für Frauen hat sich viel verändert in den letzten 500 Jahren. Ausstellungen wie diese erinnern daran, welchen Anteil Frauen nicht nur in der Reformation, sondern in der ganzen Weltgeschichte haben. Viele Namen wurden lange nicht ausgesprochen oder sind vergessen.