Oft ist bei Rentnern, die sich auch nach dem Arbeitsleben aktiv in die Gesellschaft einbringen, von "Unruhestand" die Rede. Im Fall von Walter Mackert darf man dahinter getrost noch ein Ausrufezeichen setzen. Am heutigen Dienstag wird der Stadt- und Kreisrat 70 Jahre jung.
Richtschnur seines vielfältigen Engagements war und bleibt für ihn stets die Menschlichkeit, gepaart mit der Erkenntnis, dass sich, wenn man im Team zusammenwirkt, vor Ort viel bewegen lässt. Dass der frühere Staffelsteiner Polizeichef in Wirklichkeit ein "Reingschmeckter" ist und in Stegaurach aufwuchs, weiß so mancher vielleicht gar nicht. So oder so - der Pensionär ist in der Adam-Riese-Stadt längst verwurzelt. Ob als Leiter der Gebietsverkehrswacht, Kommunalpolitiker, im Lions-Club oder seit 2007 als Senioren- und Behindertenbeauftragter der Stadt - sich nur zurücklehnen und das Nichtstun genießen, ist nicht sein Ding.
Er ist dem Herrgott dankbar, dass er auch mit nun fast 70 noch relativ fit ist, packt gerne an und zeigt auf verschiedensten Ebenen Interesse daran, wo den Menschen der Schuh drückt. "Wenn ich jemandem helfen kann, ist das auch für mich ein Gewinn", betont er. "Ihr müsst euch immer anschnallen, sonst fliegt ihr wie die Klara durch die Luft und verletzt euch." Mit Sätzen wie diesen sensibilisiert Mackert, der von 2001 bis zu seiner Pensionierung der Verkehrspolizei in Coburg vorstand, nun bei der Verkehrswacht Kinder für die Gefahren des Straßenverkehrs. "Kinder und Senioren sind unsere schwächsten Gruppen": Aus dem Mund von Mackert sind das keine leeren Worthülsen. Das gilt auch für sein Engagement als Dritter Vorsitzender des TSV Staffelstein.


Das "Wir" ist ihm wichtig

Der nach wie vor fidel wirkende Senior hat nach wie vor ein waches Auge auf Möglichkeiten, Entwicklungen, Anliegen der Bürger. Doch an einem 70. darf auch einmal ein Blick in den Rückspiegel erlaubt sein. "So ein runder Geburtstag ist im Leben auch immer ein guter Anlass, um einmal innezuhalten", so Mackert, der auch die in all den Jahren gewachsenen Freundschaften schätzt. Dem "Wir" misst er bei allem, was er tut, die entscheidende Bedeutung bei, um Dinge voranzubringen oder neuen Aktionen gelingen zu lassen: "Man braucht Leute, die die Ideen unterstützen, Helfer und natürlich den Rückhalt in der Bevölkerung", betont Mackert.
Die lange Zeit als Polizeibeamter hat Mackert geprägt. Er holt ein Fotoalbum aus der Schublade. Ein VW-Käfer als Dienstfahrzeug, der junge Walter auf dem Polizeimotorrad oder zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Leutner am Rathausvorplatz neben dem legendären Münchner Streifenwagen "Isar 12" - angesichts der alten Aufnahmen kann er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Der Polizeiberuf habe ihm immer viel Freude bereitet, sinniert Mackert. "Die Arbeit stand zwar im Vordergrund, doch der Mensch immer im Mittelpunkt." Dankbarkeit verspüre er noch heute in Erinnerung an seinen damaligen Chef bei der Polizei in Bamberg in den frühen 1970er Jahren: "Polizeiamtsrat Leicht hat mich sehr geprägt. Als Vorgesetzter war er in der Sache konsequent, aber stets menschlich. Wenn einem jungen Polizisten wie mir ein Fehler unterlaufen war, hat man sich seine Zigarren (Rüffel) abgeholt, doch nachtragend war er nie."
Mackert bringt sich seit 37 Jahren als Stadtrat ein, in der mittlerweile vierten Amtsperiode, seit über zwei Jahrzehnten als Kreisrat. "Auf kommunaler Ebene haben politische Entscheidungen direkten Einfluss, hier lässt sich viel Positives bewegen", weiß der CSU-Mann. Seit 34 Jahren ist er mit seiner als Rektorin der Ivo-Hennemann-Grundschule tätigen Gattin Gudrun verheiratet. Aus der Familie mit ihr und den Kindern Elmar (40) und Carina (33) zieht er Energie. "Ohne den Rückhalt in der Familie hätte all das gar nicht funktioniert." Sein Herz gehört Ehefrau Gudrun. Ein wenig verguckt hat er sich aber auch in heutzutage herrlich urtümlich wirkende Bulldogs. Mackerts Augen leuchten, wenn er über die "Schnauferl" spricht. Er nennt zwei historische Vehikel sein eigen, einen Lanz und einen Eicher, beide haben schon 58 Jahre auf dem Buckel. Mit Gleichgesinnten der Oldtimerfreunde Staffelstein fachsimpeln oder die Stimmung bei der Oldtimerwallfahrt nach Vierzehnheiligen auf sich wirken lassen - da geht dem Bad Staffelsteiner das Herz auf. Auch ein beschäftigter Mann wie er muss durchschnaufen. "Dann setz ich mich einfach mal zwei Stunden auf meinen alten Bulldog. Der lässt, so langsam wie er fährt, gar keine Hektik zu", schwärmt Mackert. Ein vor Energie sprühender "Hansdampf in allen Gassen": Dieses Attribut ist dem fröhlichen Senior zu bescheinigen. Es laufen wieder die Vorbereitungen für das Bierbrauerfest. Die gute Laune von Moderator Mackert ist nicht gespielt: "Ich fühle mich einfach wohl in Bad Staffelstein", sagt er mit spitzbübischem Lächeln.