von unserem Mitarbeiter Harald Rieger

Berlin — Unter den Linden. Hausnummer 50. Von außen erweckt das mehrstöckige, moderne Gebäude einen eher unscheinbaren Eindruck und erinnert an ein normales Bürogebäude, von denen es in der Hauptstadt Tausende gibt. Doch einfach reinspazieren ist nicht. Die Sicherheitskontrollen gleichen denen am Flughafen. Ausweise müssen vorgezeigt werden, Taschen werden kontrolliert und jeder muss durch eine Sicherheitsschleuse. Erst dann ist der Weg frei in den vierten Stock, wo wir den Bamberger Bundestagsabgeordneten Andreas Schwarz (SPD) treffen. Seine Büroräume befinden sich im Dienstgebäude des Deutschen Bundestages, wo etwa 150 Abgeordnete unterschiedlicher Fraktionen (neben SPD auch Linke und Grüne) nebst Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern untergebracht sind. Zum Bundestag sind es einige wenige Minuten Fußweg. Sein Büro selbst ist eher schlicht. Ein paar Pflanzen am Fenster bringen Farbe ins Zimmer und die SPD Fahne signalisiert die politische Zugehörigkeit. An der Wand hängt aber auch ein Stück Bamberger Heimat: das Alte Brückenrathaus.

Abstimmungs-Alarm

Wir sind gerade ins Gespräch vertieft, als plötzlich eine schrille Sirene durchs ganze Haus ertönt. Feueralarm? Einbrecher? Terroristen? Doch Andreas Schwarz bleibt ruhig, lächelt und klärt auf: "Den Alarm hört man hier öfter. Er richtet sich an die Abgeordneten und soll diese auffordern in den Bundestag zur Abstimmung zu kommen." Auch Schwarz macht sich wie viele andere Bundestagsabgeordnete auf den Weg. Abgestimmt wird über die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes im Kosovo. Die Mehrheit der Abgeordneten befürwortet sie.
Für Andreas Schwarz geht es danach Schlag auf Schlag weiter. So steht auf seinem Tagesprogramm unter anderem ein längeres Berichterstattergespräch mit Vertretern des Ministeriums und der Koalition über das sogenannte Kroatiengesetz, welches eine Anpassung des Steuerrechtes vorsieht. Anschließend trifft er den SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel.
Es ist später Nachmittag, als wir uns zum Reichstag aufmachen. Hier erwartet den Bundestagsabgeordneten eine Gruppe von Besuchern aus seinem Wahlkreis Bamberg-Forchheim, die seiner Einladung nach Berlin gefolgt sind. Schwarz nimmt sich viel Zeit für die Gruppe. Rund eine Stunde stellt er sich deren Fragen, besichtigt mit den Gästen die Reichstagskuppel und verbringt den Abend mit ihnen.
Erst danach ist wieder Zeit, um das am Morgen begonnene Gespräch fortzusetzen. Dabei erläutert Schwarz, dass er sich inzwischen in Berlin eingelebt und in seine neue Aufgaben eingearbeitet hat. "Sicherlich ist es auf der Bundesebene ein anderes Arbeiten als auf kommunaler Ebene. Hier sind die Entscheidungsprozesse wesentlich komplexer. Wir müssen uns bei den Entscheidungsfindungen nicht nur mit dem Koalitionspartner einigen, sondern auch die Länder mit ins Boot nehmen", erläutert der SPD-Politiker. Auch seien die Gesetze von ganz anderem Kaliber.
Zuständig ist Schwarz in Berlin für nahezu alle Fragen, die das Steuerrecht betreffen: Angefangen von der Bekämpfung der Steuerkriminalität, über die Verbrauchersteuern bis hin zu den Versicherungs- und Kfz-Steuern. Zu Hilfe kommt im hierbei übrigens sein Studium. Denn Schwarz hat Betriebswirtschaft mit Steuerrecht studiert. Allerdings, so betont er, brauche man in Berlin schon etwas Durchhaltevermögen, ehe ein Gesetz verabschiedet wird.
Doch trotz der spannenden Aufgaben in Berlin, will er auch nach wie vor für seine Heimat und seinen Wahlkreis jederzeit zur Verfügung stehen. "Mir ist wichtig, dass ich eine Rückmeldung von der Basis über unsere Arbeit hier in Berlin bekomme. Aber ich will mich natürlich auch für die Belange meiner Heimat hier auf Bundesebene stark machen." Dazu müsse man aber erst wissen, wo der Schuh drückt.

Wahlkreis-Tour

Und um dies zu erfahren will Schwarz in der Sommerpause durch seinen Wahlkreis Bamberg-Forchheim touren und unter anderem Kindergärten und soziale Einrichtungen besuchen.
Ferner sei er "dran" am ICE-Ausbau, an der Städtebaulichen Förderung sowie an zahlreichen Wunschthemen wie beispielsweise denen des Bayerischen Bauernverbandes. "Ich baue hier kontinuierlich meine Kontakte aus und prüfe, was wir von lokalen Schwerpunkten in Gesetze auf Bundesebene umsetzen können", sagt Andreas Schwarz.
Rund die Hälfte des Monats sei er auf Dienstreise oder in Berlin, die restliche Zeit hingegen verbringe er in seiner Heimat Strullendorf, wo er nach wie vor mit seiner Familie lebt. "Während der Sitzungswochen bleibe ich in Berlin. Da müssen meine Frau und meine Tochter mal ohne mich auskommen", berichtet Schwarz. Doch hin und wieder kämen ja beide zu Besuch. Außerdem halte er regelmäßigen Telefonkontakt und von seiner Frau bekäme er zwischendurch immer wieder Fotos von seiner einjährigen Tochter zugesandt.
Doch trotz der räumlichen Trennung von seiner Familie - Andreas Schwarz hat es nie bereut in den Bundestag zu wechseln. Selbstironisch fügt Schwarz an: "Mit meiner Wahl in den Bundestag habe ich meinen Kindheitstraum schon zur Hälfte erfüllt: Außer Feuerwehrmann wollte ich nämlich immer Bundeskanzler werden," sagt er lachend.