Roland Schönmüller Landkreis Kronach —  Der letzte Novembertag ist der Namenstag des heiligen Andreas - einst ein wichtiger Tag im volkstümlichen Jahr. Der bekannte Apostel, Märtyrer und Bruder des heiligen Petrus war Fischer am See Genezareth. Andreas war ein Schüler von Johannes, dem Täufer, außerdem der erste Jünger von Jesus und Missionar am Schwarzen Meer, in Georgien und in Griechenland.

Um seines Glaubens willen wurde St. Andreas gekreuzigt und starb in Patras 60 nach Christus während der Regierungszeit des Kaisers Nero. Sein Attribut und Erkennungszeichen ist seit dem 14. Jahrhundert das schräggestellte X-förmige (Andreas-) Kreuz. Andreas wird als Schutzpatron von Russland und Schottland verehrt. Man ruft ihn um Hilfe an bei Halserkrankungen, Gicht und Krämpfen. Um seinen Beistand bitten ihn Bergarbeiter, Fischer und Metzger.

Der Brauch, am 4. Dezember - am Barbaratag - Zweige zu schneiden, die Weihnachten blühen sollten, war im ausgehenden Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit - vor allem im 15. und 16. Jahrhundert - schon am 30. November üblich. Auch das an Silvester übliche, weit verbreitete Bleigießen gab es bereits am letzten November.

Früher endete das Kirchenjahr am 30. November, am Andreastag, wo verschiedene Umzüge stattfanden. In der ursprünglichen Andreas-Nacht des Jahreswechsels, der Orakel-Nacht, ging es geheimnisvoll zu - das ist vergleichbar mit der Weihnachts- und Silvesternacht.

In Oberfranken waren am Tag und am Abend die "Paretla" unterwegs: Vermummte Kinder zogen von Haus zu Haus und erbaten für ihren Gesangsauftritt Geld, Plätzchen und Äpfel. Das sogenannte Andreas-Brot wurde einst im Raum Schweinfurt und Umgebung an Arme und Bedürftige verschenkt. Auch der "Belzemärtel" oder "Pelzmärtel" besuchte bei unseren fränkischen Altvorderen als Gabenbringer die Kinder, sparte nicht mit Lob und Tadel und verteilte - wie heute der heilige Nikolaus - Präsente.

St. Andreas wurde und wird auch als Wetterprophet geschätzt. Aus der Art des Wetters am Andreastag wollten schon unsere Vorfahren auf die Witterung an Weihnachten schließen: "Andreas bringt den Winter heran." Oder: "Andreas-Schnee tut den Saaten weh und bleibt hundert Tage liegen!" Auch Nussschalen, mit Wasser gefüllt, sollen angeblich Auskunft über die Witterung der nächsten zwölf Monate geben.

Patron der Liebenden

Etwas weiter verbreitet ist aber der Glaube an Andreas als Patron der Liebenden. An seinem Namenstag glaubten die jungen Mädchen, in dieser Nacht etwas über ihren Zukünftigen erfahren zu können. So stiegen sie rückwärts mit dem linken Fuß zuerst ins Bett und sagten dabei: "Heilger Andreas, ich bitt', Dass ich mei Bettstatt betritt, Dass mir erscheint Der Herzallerliebste mein, Wie er geht Und wie er steht Und wie er mi zum Traualtar führt." Damit der Zukünftige ihnen im Traum erscheinen möge, legten sie einen frisch gepflückten Apfel unter das Kopfkissen, nachdem sie die andere Hälfte gegessen hatten. Aus über den Kopf geworfenen Apfelschalen wollten die heiratswilligen Frauen den Anfangsbuchstaben des Namen des ersehnten Ehemannes erraten. Wer hier von Bier und Wein träumte, sollte einen reichen Mann erhalten, wem aber nur das Wasser im Traum zum Gegenstand hatte, dem war ein armer Mann beschert.

Ein anderer Brauch mancher neugieriger Mädchen war, heimlich in den Hühnerstall zu schleichen. Hörten sie eine Henne gackern, sollten sollten sie ledig bleiben, krähte der Hahn, so stand eine baldige Hochzeit ins Haus. Junge Damen umspannten auch mit ihren Armen den Gartenzaun: so viel Latten eine junge Frau fassen konnte, so viele Jahre hatte sie noch auf ihre Hochzeit zu warten. Und ein Lichtblick: Das Mädchen, das am Andreas-Morgen eine Knospe fand, sollte sollte sich bald vermählen - sagte der Volksmund.

Schließlich: Schaute eine junge Frau in eine Quelle oder in einen Brunnen, sollte ihr das Spiegelbild ihres Zukünftigen erscheinen.

Zur Erklärung der Bedeutung des heiligen Andreas für Liebe und Ehe führen Volkskundler verschiedene Gründe an: eine Beziehung zum Gott Frô, ferner zum Gleichnis von den zehn Jungfrauen am letzten Sonntag vor dem ersten Advent. Bezüge gibt es auch auch zur Antiphon "concede nobis hominem justum" im Fest-Offizum am Adventstag und zu griechischen Traditionen. Mehrheitlich dürfte zur Zauberkraft des Tages schon der Umstand beigetragen haben, dass der heilige Andreas eben die zauber- und geheimnisvolle Adventszeit eröffnet.