Genau vor einem Jahr führte die Pilgerreise der Höchstadter St.-Georgs-Pfarrei in den weltbekannten Marien-wallfahrtsort Lourdes. Am Ende der Reise regte Dekan Kilian Kemmer vor den 120 Pilgern den Bau einer Lourdesgrotte in Höchstadt an. Der Dekan selbst dachte dabei an eine größere Nische an einem Gebäude oder in einem Garten.

Bereits auf der Heimreise formierte sich eine Gruppe, die sich der Idee annahm. Mit Lothar Güßregen, Georg und Maria Geyer, Harald und Sabine Dorsch, Andreas und Renate Haas sowie mit Elke Frey und ihrem mittlerweile verstorbenen Mann Lothar fanden sich nicht nur motivierte, sondern auch handwerklich geschickte Personen zusammen, die das Projekt verwirklichten. Im Garten des Schwesternhauses machte man einen geeigneten Platz aus, an dem im Laufe des Jahres eine acht Meter lange und vier Meter hohe Grottenanlage in Eigenleistung entstand. Viele Sponsoren halfen bei der Umsetzung der Pläne.

In der vergangenen Woche reiste Dekan Kemmer selbst nach Lourdes, um eine Madonnenfigur am Wallfahrtsort in den südwestfranzösischen Pyrenäen zu erwerben. Vom Vorhaben des Dekans war die Grottenbaugruppe in Kenntnis gesetzt, den Zeitpunkt hielt er geheim, um "eine kleine Überraschung zu bereiten". Seine Mission vor Ort stellte sich alles andere als einfach heraus, wie Kemmer verrät. Denn neben Größe, Gewicht und Material auch den richtigen Stil zu finden, "entpuppte sich als äußerst schwierig".

Zwei Tage besichtigte der Dekan Produktionsstätten und Läden in Lourdes. Dabei blieb für Kemmer wichtig, sich am Aussehen der Originalfigur in der Grotte zu orientieren. Diese Madonna wurde nach den Beschreibungen der Heiligen Bernadette gefertigt, der 1858 Maria in der Grotte von Massabielle am Ufer des Gave erschien. So zeigt sich diese Mariendarstellung in Lourdes ganz in weiß, mit einem hellblauen Gürtel und einem goldenen Rosenkranz in der Hand.

Großes Interesse der Pilger

Gemeinsam mit Marie-Claire La Croix, der Direktorin der "Alliance Catholique" im heiligen Bezirk von Lourdes, und mit Therese Maconte, einer jungen Theologin in der örtlichen Pilgerseelsorge fand man doch eine passende Figur. Eine 50 Kilogramm schwere und 1,55 Meter hohe Statue aus Resine-Carrara nahm Kilian Kemmer mit nach Höchstadt. "Selbst wenn der im hohen vierstelligen Bereich liegende Preis der Madonna nur 13,50 Euro gewesen wäre, hätte sie nun einen unbezahlbaren Wert erhalten", berichtet der Dekan. Denn der Besuch an der Grotte in Lourdes mit der für Höchstadt erworbenen Madonna entwickelte sich "zu einer Fanmeile". So erzählt der Dekan, dass neben unzähligen Nachfragen etwa deutsche Pilger vom Niederrhein das Marienlied "Segne Du, Maria" angestimmt haben, irische Pilger "Congratulation" zuriefen und Afrikaner sich interessierten, wo diese Figur stehen wird.

Kemmer zeigte sich nach eigenen Angaben sichtlich erleichtert, als er die Figur in Höchstadt angekommen ohne Blessuren auspacken konnte. Die überraschten Grottenbauer freuten sich natürlich, das Zentrum ihrer errichteten Anlage im Höchstadter Pfarrhaus in Empfang nehmen zu können. Am Nachmittag des Pfarrfestes (7. Juli) wird die Höchstadter Lourdes-Madonna in der Stadtpfarrkirche ausgestellt sein. Dann müssen bis zur Einweihung noch etliche Arbeiten im Schwesterngarten erledigt werden. Doch wird der hochmotivierten Grottenbaugruppe auch der letzte Bauabschnitt gelingen, ist der Dekan überzeugt. LM