von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Lichtenfels — Sehr zufrieden waren die Nachbarn des Angeklagten mit dem Entscheid von Richter Christoph Lehmann nicht. Eine Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage war nicht, was sie erwartet hatten. Immerhin habe ihr Nachbar die Hausgemeinschaft empfindlich gestört und wohl auch durch Drohgebärden Schrecken verbreitet. Eine Tat mit Vorgeschichte.
Der Sohn des 39-jährigen Angeschuldigten soll im Oktober 2013 mit einem Gegenstand gegen die Hauswand des Burgkunstadter Anwesens, in dem er mit seinem Vater und weiteren Mietparteien wohnt, geschlagen haben. Der Vater gab an, es leid gewesen zu sein, dass sein Sohn immer für Missetaten verantwortlich gemacht würde. Darum ließ er seine Nachbarn wissen, dass "die Luft brennen" werde und einer Nachbarin soll er gar "ein schönes Leben bis zum Unfall" gewünscht haben. Selbst über Facebook postete der Mann derlei, was seine Nachbarschaft ernst nahm. Besonders die 36-jährige Mutter dreier Kinder, der ein schönes Leben bis zum Unfall gewünscht wurde. Als Zeugin berichtete sie, dass der Angeschuldigte im Juli 2013 einen Nachbarn sogar mit dem Messer bedroht habe. Genau hierin bestand auch das Verfahrensproblem, denn dieser Nachbar war nicht als Zeuge geladen, da niemand von diesem Vorfall wusste. Zudem blieben manche Drohungen in ihrer Formulierung der Einschätzung des Gerichts nach vage. So auch die der brennenden Luft, die keine konkrete Drohung darstellte. Dennoch durfte sich der Angeklagte eine Standpauke von Lehmann anhören: "Das geht nicht, so etwas auf Facebook zu posten. Da lässt man sich zu so etwas hinreißen und was haben Sie davon?" Mit letzter Frage spielte Lehmann auf den schmalen Grat an, auf dem der Beschuldigte wandelt. Immerhin ist er vorbestraft und eine weitere Verfehlung könnte ihn für eine Zeit ins Gefängnis bringen. Zu wenig für ein echtes Vergehen, zu viel um darüber hinwegzusehen. Lehmann regte gegenüber Staatsanwalt Michael Imhof an, das Verfahren gegen Zahlung von 500 Euro einstellen zu wollen. Ein Vorschlag, der allgemein akzeptiert wurde.