Mit dem Traumschnitt von 1,99 hat sich der Abiturjahrgang 2020/21 vom Caspar-Vischer-Gymnasium verabschiedet. "ABI-VEGAS - um jeden Punkt gepokert" lautete das Motto der gestrigen Abschlussfeier.

Schulleiterin Ulrike Endres betonte, dass die Leistung nicht allein darauf basierte, den Joker richtig gesetzt zu haben. "Sagenhaft", sagte sie in der Dr.-Stammberger-Halle. "Auch wenn der Abiturschnitt insgesamt wohl besser als sonst in Bayern ausgefallen ist: Lasst euch diesen Erfolg nicht kleinreden!"

Die jungen Leute hätten konsequent gearbeitet und Einsatz gezeigt, und freilich gehöre in der Schule - wie im Leben auch - immer wieder mal ein wenig Glück dazu, "aber grundsätzlich zu zocken, um jeden Punkt zu pokern und alles dem Zufall zu überlassen, das hat zum Glück wohl kaum jemand riskiert. Seid stolz auf eure eigene Leistung!"

Sechsmal die 1,0

Besonders stolz können sechs Jugendliche sein, die einen Notenschnitt von 1,0 und besser erzielt haben. Besser? Ja, das geht. Lara Weigel schaffte einen ausgezeichneten Schnitt von 0,8 und erhielt obendrein noch einen Mathematikpreis. "Ich habe immer konsequent und kontinuierlich gelernt, da war es auch am Schluss nicht mehr so viel", sagt die Abiturientin, die schon in der Grundschule gute Noten schrieb.

Sie weiß auch schon, was sie studieren will: Medizin an der Universität in Erlangen.

Als Schulbester erzielte Marius Michel einen sagenhaften Schnitt von 0,76, er erhielt die Ehrennadel in Latein und einen Physikpreis. "Dabei war ich bis zur 8. Klasse ein normaler Schüler im Zweier-/Dreierbereich", sagt der sympathische junge Mann. Irgendwann habe er dann gemerkt, etwas besser zu verstehen, wenn er seine Hausaufgaben gemacht habe, und habe sich plötzlich für viele Dinge interessiert. "Ich würde mich auf keinem Gebiet als Profi bezeichnen", sagte er bescheiden.

Die Mitarbeit im Unterricht macht Marius ebenfalls für seinen Erfolg verantwortlich. "Natürlich habe ich fürs Abi zusätzlich gelernt, das kommt nicht von alleine. Ich fühlte mich seitens der Schule gut vorbereitet, meine Lehrer haben sich richtig ins Zeug gelegt."

Kein "typischer Streber"

Wer jetzt denkt, Marius Michel sei der "typische Streber" ohne weitere Interessen, der irrt, denn der Sohn einer alleinerziehenden Mutter war an seiner Schule über Jahre in der SMV und als Tutor engagiert. Jetzt freut er sich über Stipendien, die auf ihn warten. Studieren will er aber nichts, was einen Numerus clausus erfordert, "das Abi war Selbstanspruch". Aktuell liebäugelt er mit Medizintechnik, auf jeden Fall will er in die Forschung und anfangs nicht so weit weg, um Mutter und Bruder noch weiter unter die Arme zu greifen. "Meiner Mama bin ich für ihre Unterstützung auch sehr dankbar."

Marius Michel - der Schüler des ersten Mittelstufe-Plus-Jahrgangs war - wird die Schulgemeinschaft vermissen. Eben dieser Gemeinschaftsgeist wurde auch bei der Verabschiedung ganz deutlich: In den Worten der Abiturienten selbst, die nicht nur einen humorigen Rückblick auf nicht stattgefundene Partys und nicht genutzte Q-Zimmer gaben, sondern sich ganz warmherzig bei ihren Lehrern, der Schulleitung und ihren Eltern bedankten. In den Worten der Schulleitung, und in den Ausführungen der Oberstufenbetreuerin Kathrin Krebs, die bei der Zeugnisübergabe jedem ihrer Schützlinge ein paar persönliche Worte mit auf den Weg gab. Da konnten die Abiturienten gar nicht anders als zu versprechen: "Wir werden sicher spätestens zum nächsten Schulfest wieder aufschlagen."

Am Caspar-Vischer-Gymnasium hatten gut 50 Prozent eine Eins vorm Komma, sechs Mal gab es die Note 1,0, darunter ein Mal 0,8 und 0,76. Es wurden weiterhin 45 Auszeichnungen für besonderes Engagement überreicht. Der stellvertretende Landrat Jörg Kunstmann und OB Ingo Lehmann gaben den Absolventen ihre besten Wünsche mit auf den Weg und bekräftigten: "Euer Abi ist nicht minderwertig, und Kulmbach wird euch als eure Heimatstadt immer willkommen heißen."