Einst war die Zauneidechse in Deutschland allgegenwärtig, doch ihr schwindender Lebensraum und sinkendes Nahrungsangebot brachten die kleine Echse auf die regionale Rote Liste der bedrohten Tierarten: In Bayern befindet sie sich bereits auf der sogenannten Vorwarnliste. Weil der Bestand sinkt, hat die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde die Zauneidechse zum Reptil des Jahres 2020 ernannt.

"Wir freuen uns, dass die Zauneidechse auch auf der DBU-Naturerbefläche Tennenlohe vorkommt und hier einen langfristig geschützten Lebensraum findet", erklärt Susanne Belting, Fachliche Leiterin im DBU Naturerbe, einer gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Wer aufmerksam spazieren geht, kann das Reptil mit etwas Glück bei seinem Sonnenbad beobachten. Bei der Entdeckungstour ist das momentane Abstands- sowie außerdem das Wegegebot zu beachten.

Die Zauneidechse lebt heute als sogenannter Kulturfolger oft dort, wo Menschen strukturreiche Landschaften mit Säumen und kleinen Elementen wie Steinmauern und Hecken geschaffen haben. "Geeignete Lebensräume finden sich beispielsweise auf ehemaligen Militärübungsplätzen wie auf der DBU-Naturerbefläche Tennenlohe. Denn wo Soldaten einst übten, entstand oft strukturreiches Offenland", erklärt Tobias Bufler, Offenlandmanager im DBU Naturerbe. Bis 1994 nutzte das Militär die heutige DBU-Naturerbefläche als Truppenübungsplatz. 2011 übernahm das DBU Naturerbe die rund 437 Hektar etwa drei Kilometer südöstlich von Erlangen als Teil des Nationalen Naturerbes. Seitdem sind der lichte Kiefernforst, trockene Sand- und Heideflächen, aber auch kleine Moore, Bruchwälder und Felsformationen dem Naturschutz gewidmet.

Eidechse braucht Sonnenplätze

"Davon profitiert Lacerta agilis - die flinke Eidechse -, denn sie benötigt ein Mosaik aus Sonnenplätzen mit Totholz, lückiger Vegetation und zudem Bäumen und Sträuchern als Versteckmöglichkeiten. Ihre Eier vergräbt die Zauneidechse an offenen besonnten Stellen im lockeren Boden", erklärt Bufler. Als wechselwarmes Tier nutzt es die Sonne, um die eigene Körpertemperatur zu regulieren. Sind die Echsen aufgewärmt, werden sie beweglicher und schneller.

Zur Tarnung sind die scheuen Zauneidechsen an die Farben in ihrer Umgebung angepasst: Mit ihrer bräunlichen Schuppenfärbung und teilweise nur angedeuteten hellen Streifen sowie dunklen Flecken auf dem Rücken schützen sie sich vor zahlreichen Fressfeinden wie etwa Turmfalken. Nur in der Paarungszeit ab Ende April färben sich die Körperseiten der Männchen nach der ersten Häutung leuchtend grün.

Doch nicht nur Beutegreifer gefährden die Zauneidechse: "Der Verlust von reich gegliederten Lebensräumen wirkt sich negativ auf den Bestand der Zauneidechsen aus", erläutert Bufler. Bundesforstrevierleiter Jens-Eckhard Meyer hat die Zauneidechse auf der DBU-Naturerbefläche entdeckt: "In Tennenlohe findet man die Zauneidechse in Heideflächen, auf den offenen Sandflächen und Sandsteinblöcken. Sie wird dort nicht selten Opfer der Schlingnatter", so Meyer. Wilde Przewalski-Pferde und Ziegen pflegen dieses wertvolle Offenland auf einer eingezäunten Koppel. "Die Weidetiere sorgen mit ihrem Verbiss dafür, dass die offene Landschaft nicht zuwächst. Indem sich Pferde wälzen, erhalten sie zudem wuchsfreie Stellen im Sandboden. Das kommt der Zauneidechse zugute." red