"Schließung des Coburger Theaters - nein danke!", hat die Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Bettina Lesch-Lasaridis, über die Presseerklärung geschrieben, die sie am Mittwoch versandte. Sie reagiert damit auf einen Leserbrief von Wolfram Salzer aus Neustadt, der vorgeschlagen hatte, das Theater lediglich als Spielstätte zu erhalten, aber das eigene Ensemble abzuschaffen. Begründung: Der eigene Theaterbetrieb sei zu teuer und für Coburg nicht mehr leistbar.
Doch das gelte auch für andere Einrichtungen, meint Bettina Lesch-Lasaridis: "Schulen, Schwimmbäder, Museen, Stadtbusse, Kindergärten, Verkehrslandeplätze kosten Geld und rechnen sich nicht! Abschaffen? Wohl kaum!" Die SPD-Fraktionsvorsitzende verweist auf die lange Tradition des ehemaligen Hoftheaters und den "cleveren Staatsvertrag", mit dem Coburg 1920 die Zukunft des Dreispartenhauses sicherte. Damals schloss sich der Freistaat Coburg an Bayern an. "Und wir - kleingeistig geworden - sollen dies kurzerhand schließen, nur noch mit Gastspielen auslasten und dabei 260 Mitarbeiter des Landestheaters auf die Straße schicken? Das ist weder sinnvoll noch notwendig!"
Lieber sollte versucht werden, weitere Finanzierungspartner zu finden: "Lasst uns über einen Zweckverband Landestheater nachdenken, wo sich die Landkreise Coburg, Lichtenfels, Bad Staffelstein und Kronach einbringen. So wie das die Stadt mit der Therme Natur in Bad Rodach macht oder die Städte Landshut, Straubing und Passau."
Seit 2009 sei bekannt, dass das Haus saniert werden muss, seit 2013 werde mit dem Freistaat über die Finanzierung verhandelt, erklärt Lesch-Lasaridis. Nun stehe die Vereinbarung, Bayern übernimmt 75 Prozent der Sanierungskosten. Auch in die kulturellen Einrichtungen in München stecke der Freistaat viel Geld, argumentiert Lesch-Lasaridis.


Sechs von 130 Millionen

Was die laufenden Kosten angehe, so werde darüber im Stadt alljährlich bei der Haushaltsberatung gesprochen. "Jetzt plötzlich kommt man zu dem Schluss, das Theater sei zu teuer, Coburg könne sich das gar nicht leisten." Bei einem Gesamthaushalt von 130 Millionen Euro sei ein jährlicher Zuschuss in Höhe von sechs Millionen Euro zum Betrieb "nicht wenig, aber machbar".
Was den Anteil der Stadt an den Sanierungskosten angeht, so verteilen sich die 22 Millionen Euro auf einen Zeitraum von vier bis sechs Jahren, macht die SPD-Fraktionsvorsitzende geltend. Das sei auch so eingeplant. Zum Vergleich verweist Lesch-Lasaridis auf die Investitionen in Schulen: 30 Millionen Euro seit 2008, allein in diesem Jahr 5,3 Millionen Euro. "Das Landestheater wurde letztmals in den Siebzigerjahren saniert. Eine Sanierung für die nächsten 30 bis 40 Jahre, für die die Stadt Coburg insgesamt circa 22 Millionen Euro aufbringen muss, steht keinesfalls außer Verhältnis zu den Ausgaben, die wir sonst im investiven Bereich tätigen."
Dass die Sanierung dringlich sei, sei spätestens seit dem Wasserschaden im Herbst 2013 bekannt. "Der Spielbetrieb ist allenfalls bis Ende 2018, falls nichts dazwischen kommt, garantiert", stellt Lesch-Lasaridis fest. Vor diesem Hintergrund komme eine Grundsatzdiskussion über die Zukunft des Theaters "zum einen zu spät und ist zum anderen überflüssig".
Die SPD-Politikerin wendet sich auch gegen die Behauptung, die Sanierung des Landestheaters komme nur einem kleinen Kreis zugute. "So ziemlich jedes Kind in dieser Stadt profitiert jährlich von den märchenhaften Aufführungen in der Weihnachtszeit." Das Theater sei ein "Kulturgut" für die gesamte Region."In diesem Zusammenhang muss man allenfalls darüber reden, wie es gelingen kann, Theater auch für den kleinen Geldbeutel zu gestalten."
Falsch sei auch die Behauptung, es gebe lediglich in vier bayerischen Städten ein Dreispartenhaus. "Hof, Bayreuth, Nürnberg, Würzburg, Augsburg, Regensburg, Passau, Landshut, München verfügen über Mehrspartenhäuser. Die Städte Schweinfurt, Kempten und so weiter hatten noch nie ein eigenes Theater."


Welche Interimsspielstätte?

Ungeklärt sei lediglich, "wo und wie wir sinnvoll eine Interimsspielstätte errichten". Die SPD-Fraktion habe sich dazu viele Informationen geholt, sei es zur Zeltlösung oder in Gesprächen mit Intendant Bodo Busse, Verwaltungsdirektor Fritz Frömming und Generalsmusikdirektor Roland Kluttig. Dabei hätten sich Alternativen zur Angerturnhalle ergeben, "die nunmehr geprüft werden müssen", wie Lesch-Lasaridis meint. Auch die Hochschule entwickele noch Ideen. Hintergrund: Die Angersporthalle gilt als mögliche Ausweichspielstätte für die Zeit, in der das Theater saniert wird. Sie müsste aber dafür ertüchtigt werden.
"Wir würden nicht mehrere Millionen in das Coburger Landestheater investieren, wenn wir nicht vom Mehrwert und dem Nutzen dieser Einrichtung für unsere Stadt und die angrenzenden Landkreise ausgehen würden", schließt Bettina Lesch-Lasaridis. red