von unserem Mitarbeiter Andreas Welz

Bad Staffelstein — Gerade mal 25 Zentimeter hoch ist der Silberpokal im Stadtmuseum. Doch könnte er Geschichte schreiben. Eine Geschichte, die Mitte der 1940er-Jahre in der ehemaligen Tschechoslowakei begann. Das kostbare Gefäß wurde am 16. September 1858 von der Stadtgemeinde Postelberg im Sudetenland einem verdienstvollen Bürger überreicht.
Postoloprty (Postelberg) ist eine Stadt im Okres Louny (Bezirk Laun) im Nordwesten von Tschechien. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges gelangte der Pokal nach Staffelstein und wurde dort später dem Museum übergeben. Am 5. April 1986 rief Bürgermeister Reinhard Leutner eine Patenschaft mit Postelberg ins Leben. Sie war nicht als Städtepartnerschaft gedacht, sondern galt den vielen Sudetendeutschen, die in Staffelstein eine neue Heimat gefunden hatten.


Erste Treffen 1948

Rund 300 Vertriebene kamen aus Postelberg und dem Kreis Saaz. 1948 gab es das erste Treffen aller Menschen in Deutschland, die aus der kleinen Stadt an der Eger stammen. Bis heute werden sie regelmäßig durchgeführt. Allerdings flachte das Interesse an der eigenen Geschichte mehr und mehr ab. Bis vor drei Jahren Rolf Berg, 1943 in Postelberg geboren, die Sache in die Hand nahm und Museumsleiterin Adelheid Waschka darauf ansprach. "Wir wollen die Erinnerung wach halten", sagt sie. Vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingssituation in Europa ließen sich Parallelen zur damaligen Zeit ziehen. Es werde eine vergrößerte Ausstellung geben, einige Exponate seien schon vorhanden. "Aber wir wollen uns um weitere Dokumente bemühen, die Zeit drängt, Zeitzeugen gibt es immer weniger", machte Waschka deutlich.


Immer weniger Zeitzeugen

Die Zeitzeugen stünden immer noch unter dem Trauma der Vertreibung und redeten nicht gern über diese Zeit. Aber die Enkel stellten Fragen und diese sollten beantwortet werden.
Auch an eine Partnerschaft mit Postoloprty sei gedacht. "Wir werden der Stadt den Silberpokal als Leihgabe anbieten, wenn wir wissen, dass er dort in guten Händen sein wird", kündigte die Museumsleiterin an. Ein Novum in der Museumslandschaft, da in der Regel Museen sich ungern von Exponaten trennen, die sie, auf welche Weise auch immer, in Besitz nahmen. Bestes Beispiel ist das Museum in Kloster Banz, wo wertvolle Exponate in Münchner Museen ausgestellt werden oder sich in Privatbesitz befinden, die ursprünglich nach Banz gehören. Etwa der Klosterschatz, der nach der Säkularisation 1803 in staatliches Eigentum überging.
Um weitere Ausstellungsstücke aus Postelberg, die Geschichte erzählen, ist die Musemsleiterin bemüht. Ihr Appell gilt allen Menschen, die dort lebten. Wenn sich die Nachkommen nicht von ihren Erinnerungsstücken trennen wollen, könne man Fotografien davon anfertigen und sie in den neuen Vitrinen aushängen. Eine kurze Beschreibung der Exponate und das Schicksal der Familie könnte hinzugefügt werden. Interessierte könnten sich gern bei der Museumsleitung unter Tel. 09573/331030 oder im Stadtarchiv unter 09573/4152 melden.