von unserem Mitarbeiter Martin Rebhan

Neustadt — Ein besonderes Fest konnten gestern Gudrun und Günther Stegner aus Neustadt feiern. Vor 60 Jahren gaben sie sich in der Puppenstadt das berühmte Ja-Wort.
Der gebürtige Mönchrödener lernte seine aus der Hansestadt Stendal (Sachsen-Anhalt) stammende Frau, wie in der damaligen Zeit fast üblich, beim Tanzen kennen. "Nach dem Kino sind wird oft ins Café Stadler gegangen, es gab ja noch kein Internet oder Fernsehen", erinnerte sich der Jubilar. Die Kriegswirren waren verantwortlich dafür, dass Gudrun Eckstein, wie die Jubilarin vor ihrer Hochzeit hieß, und der Schreiner Günther Stegner zusammenfanden. "Die Russen waren hinter mir her und wollten mich erschießen", erinnerte sich die heute 81-jährige Jubilarin noch ganz genau. Nachdem ihre Elternteile aus Neustadt und Sonneberg stammten, lag es nahe, dass sie bei der Oma in Neustadt Schutz suchte.
Günther Stegner ist im Jahr 1946 dann nach Neustadt gezogen. "Es war damals schon eine verrückte Zeit", meinte der 1931 geborene Jubilar und führte vor Augen, dass man eine weiße Binde tragen musste, um anzuzeigen, dass man aus einem anderen Ort kommt. "Sonst hätte es Probleme wegen der Ausgangsperre gegeben."
Einen ersten Schritt in die Gemeinsamkeit machte das Paar im Jahr 1953, als Verlobung gefeiert wurde. "Das war damals noch so üblich", erklärte die heute noch voller Elan steckende Gudrun Stegner im Brustton der Überzeugung. Zwei Jahre später wurde dann in der Neustadter Stadtkirche Hochzeit gefeiert. "Eigentlich wollten wir am 5.5.55 heiraten, aber meine Eltern hatte keine Ausreisepapiere erhalten, so ist es halt der 25. Juni geworden", ließ die Jubilarin humorvoll wissen.
In ihrer jungen Ehe mussten die beiden dann einen schweren Schicksalsschlag verkraften, als ihr erstes Kind im Jahr 1959 bei der Geburt ums Leben kam. "Dieses Unglück hat uns aber noch mehr zusammengeschweißt", unterstrich Günther Stegner. Im Jahr 1961 erfüllte sich der Kinderwunsch mit der Geburt der Tochter Sabine und zwei Jahre später kam Tochter Ute zur Welt. Der ganze Stolz der Jubilare ist Enkel Tobias, der seit 1988 zur Familie gehört. Freudige Augen waren zu sehen, als beide davon sprachen, dass auch er zur Feier kommt. Seit 1981 lebt das überaus rüstige und agile Paar in seinem schmucken Haus in Ketschenbach. "Die Gartenarbeit teilen wir uns, mein Mann mäht, ich kümmere mich um die Blumen", ließ Gudrun Stegner wissen. Dass die Arbeitsteilung so in Ordnung sei, bestätigte ihr Mann: "Gudrun hat einen grünen Daumen, der mir abgeht." Eine Leidenschaft teilen sich aber dennoch beide: "Von Anfang an waren wir bei den Neustadt-Treffen dabei und haben unsere Heimatstadt vertreten", war von den Jubilaren nicht ohne einen gewissen Stolz zu hören. Bürgermeisterin Elke Protzmann (CSU), die im Namen der Stadt Glückwünsche überbrachte, stellte fest: "Sie sind ein Bestandteil Neustadts."